Oktober

Gaspreise sind auf Tiefflug: Bahnt sich eine Trendwende an?

| Lesedauer: 5 Minuten
Das ist die geplante Gaspreisbremse

Das ist die geplante Gaspreisbremse

Nach dem Aus der geplanten Gasumlage soll nun eine Gaspreisbremse Verbraucherinnen entlasten. 200 Milliarden Euro werden vom Staat für diese locker gemacht.

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Die KWh Gas kostet seit Oktober deutlich weniger. Bahnt sich jetzt eine Trendwende an? Wie die Preise zu interpretieren sind.

  • Zuletzt sind die Gaspreise in Deutschland gesunken: Damit gibt es Hoffnung für Verbraucher
  • Ist der Abwärtstrend wirklich langanhaltend? Was bedeuten die Gaspreise für die Kunden?
  • Wir analysieren, ob sich eine Trendwende andeutet.

Egal, ob Holzpellets, Heizöl oder Gas – viele Verbraucher müssen in der Energie- und Preiskrise weiter tief in die Tasche greifen. Der Ukraine-Krieg und der damit einhergehende Gaskonflikt mit Russland sind der Grund für die Rekord-Preise. Das spiegelt sich auch in der Inflation wider – seit mehreren Monaten meldet das Statistische Bundesamt (Destatis) immer höhere Werte. Im September 2022 soll die Inflation einer ersten Prognose zufolge zweistellig ausfallen. Die Haupttreiber sind die teuren Nahrungsmittel- und Energiepreise, heißt es von Destatis.

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Gaspreis in Deutschland sinkt: Fünf Faktoren machen unser Gas günstiger

Seit Monaten kannten die Preise für Gas in Deutschland nur eine Richtung. Doch vom 30. September auf den 1. Oktober ist der Gaspreis pro Kilowattstunde (kWh) plötzlich von 34,6 auf 28 Cent eingestürzt – ein Trend, der seither täglich beobachtet werden kann. Seit 1. Oktober ist der Preis für eine kWh Gas nicht mehr über die 30 Cent geklettert. Zwar bewegt sich der mittlere Gaspreis damit immer noch auf Rekordniveau, so günstig wie derzeit war das Gas aber lange nicht. Können sich Verbraucher jetzt endlich Hoffnungen auf eine Trendwende machen?

Die gute Nachricht zuerst: Verschiedene Faktoren haben aus Sicht von Experten dazu geführt, dass der Gaspreis seit 1. Oktober um mehrere Cent pro kWh gefallen ist – das sind:

  • Seit 1. Oktober sind nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.
  • Die geplante Gasumlage zum 1. Oktober kommt jetzt doch nicht.
  • Russland pumpt wieder Gas über die Pipeline über Österreich nach Italien.
  • Die Gasspeicher in Deutschland sind zu über 90 Prozent voll.
  • Der neuste Bericht der internationalen Energieagentur IEA zur Energielage in Deutschland.

Allein der gesenkte Mehrwertsteuersatz auf Gas macht sich auf der Abrechnung bemerkbar – 3,7 Cent sind es pro Kilowattstunde. Eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr zahlt rund 300 Euro weniger Nebenkosten – ein Single-Haushalt (5000 kWh) wird um 87 Euro entlastet, berichtet die Tagesschau zum neuen Gaspreis seit 1. Oktober.

Die von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geplante Gasumlage für Verbraucher und Wirtschaft ist von der Ampel-Koalition zudem auf Eis gelegt worden, was sich ebenfalls positiv auf die Entwicklung der Gaspreise in Deutschland auswirkt.

Entwarnung von der Energieagentur IEA: Gasversorgung wohl weiter stabil

Ebenso positiv wirkt die Ankündigung aus Russland, dass nach einem kurzen Stopp wieder Gas nach Italien geliefert wird. Es sei mit den italienischen Abnehmern eine Lösung des Problems gefunden worden, heißt es vom russischen Staatskonzern Gazprom. Die BILD berichtet, dass Probleme bei Bezahlungsdetails von Rubel oder Euro die Knackpunkte gewesen sein sollen. Ein weiterer Faktor, der die günstigeren Gaspreise begünstigen könnte, ist der jüngste Bericht der internationalen Energieagentur IEA.

Im Bericht heißt es, dass die Gasspeicher nur dann auf ein kritisches Niveau von fünf Prozent fallen, wenn keine Energiesparmaßnahmen erfolgten und Flüssiggas nur in geringem Maße importiert werde. "Die Sorgen im Hinblick auf Versorgungsengpässe in diesem Winter könnten durch diesen jüngsten Bericht der IEA gedämpft worden sein", mutmaßen die Rohstoffexperten der Commerzbank, über die zuvor das Nachrichtenportal t-online mit Blick auf die Gaspreise berichtete. Die Speicher für Gas sind in Deutschland Stand 6. Oktober zu über 90 Prozent voll.

Gaspreise seit Oktober stabil: Bahnt sich eine Trendwende an?

Zu beachten ist, dass die tagesaktuellen Gaspreise primär für Neukunden interessant sind. Wer einen Vertrag mit einem Energieversorger hat, zahlt normalerweise weniger. Zwar können sich in Verträgen auch die festgelegten Konditionen ändern, doch die täglichen Schwankungen der Gaspreise haben meist keine unmittelbaren Folgen für die Gaskunden in Festverträgen. Sollten die Gaspreise aber tendenziell sinken, könnten Anbieterwechsel für viele Verbraucher wieder attraktiver werden. Allerdings ist es noch zu früh, um von einer großen Trendwende zu sprechen.

Zwar kostet die kWh Gas im Moment weniger als 30 Cent, im Vergleich zum Vorjahr sind es aber immer noch Rekordbeträge. Hinzu kommt, dass der Gaspreis starken Schwankungen unterliegt. Genau wie beim Heizöl oder auch beim Strom kann sich der Preis für Gas von heute auf morgen wieder ändern. Fakt ist aber, dass sich zumindest im Moment der Gaspreis stabilisiert hat, was im Hinblick auf die kalte Jahreszeit zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, nachdem die Preise pro kWh in den Monaten zuvor kontinuierlich angestiegen waren.

Der Artikel "Gaspreise sinken: Gibt es Neue Hoffnung für Verbraucher?" erschien zuerst auf morgenpost.de.

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