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Smartphone kaufen: Günstiger mit oder ohne Vertrag?

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Maik Henschke
Refurbished: So viel Geld kann man damit sparen

Refurbished- So viel Geld kann man damit sparen

Mit generalüberholten Geräten kann man viel Geld sparen: Das steckt hinter dem „refurbished“-Prinzip.

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Das neue iPhone oder Android-Handy scheint im Tarif oft preiswerter und lässt sich abzahlen. Warum der Einzelkauf klüger sein kann.

Berlin. Gründe für ein neues Smartphone gibt es so einige: Der Akku schwächelt und das Handy muss dauernd an den Strom. Das Arbeitstempo genügt für aktuelle Apps nicht mehr und die Bedienung ruckelt. Es soll doch mal ein größerer Bildschirm sein mit kräftigen Farben und feinerer Auflösung. Oder man hat sich nach Jahren schlicht satt gesehen am täglichen Begleiter in der Hand und wünscht sich ein moderneres Gerät.

So oder so: Die Anschaffung kostet Geld – und mit den Ansprüchen steigen auch die Preise. Gute Mittelklasse finden Kundinnen und Kunden im Handel bereits für etwa 300 bis 600 Euro. Für das neueste Highend-Smartphone von Samsung, Apple, Sony, Oppo und Co. werden allerdings schnell mehr als 1000 Euro fällig. Im Durchschnitt lassen sich die Deutschen ihr neues Smartphone 495 Euro kosten, ermittelte der Digitalverband Bitkom.

Entscheidend beim Smartphonekauf ist die Frage: Mit oder ohne Vertrag? Sprich: Das neue Handy bei einem selbst gewählten Händler – im Geschäft oder online – erstehen, den gesamten Kaufpreis sofort zahlen und anderswo einen passenden Tarif bei einem der vielen Mobilfunkanbieter buchen. Oder aber: Direkt beim Mobilfunkanbieter ein Paket aus Tarif und Smartphone wählen. Diese Variante hat höhere monatliche Grundgebühren zur Folge, da man das Handy im Vertrag über 24 Monate in Raten abzahlt. Welcher Weg ist der günstigere? Es kommt drauf an.

Smartphone kaufen: Ist mit oder ohne Vertrag günstiger?

Lange Zeit galt Variante eins, der Einzelkauf mit separatem Tarif, für die breite Masse als günstigere Lösung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Kunde oder die Kundin hat gleich an zwei Stellen die größere Anbieterauswahl und kann Preise vergleichen: Beim Smartphonehändler wie auch beim Tarifanbieter. Wer klug vergleicht und womöglich bei Sonderangeboten zuschlägt, kann sich in aller Regel eine sehr günstige Kombination zusammenstellen.

Nachteil: Man muss den Kaufpreis für das Wunsch-Smartphone erst einmal aufbringen können oder sich zusammensparen. Ein Preistipp sind hier generalüberholte Smartphones oder Vorjahresmodelle.

Einzelkauf nicht mehr in jedem Fall günstiger als Vertragshandy

So uneingeschränkt wie früher gilt dieser Ratschlag allerdings nicht mehr, wie unter anderem die Stiftung Warentest in einer Analyse herausgefunden hat. Denn viele Smartphones sind demnach im Paket mit einem Mobilfunkvertrag mittlerweile günstiger zu haben als im Geschäft. Manche Tarifanbieter hätten hier nachgezogen.

In ihrer Auswertung untersuchten die Tester seinerzeit je drei aktuelle Smartphones der Ober- und Mittelklasse von Samsung, Apple und Huawei. Das Ergebnis: Für die drei Mittelklassemodelle und zwei der drei Topmodelle ließ sich mindestens ein Tarif finden, mit dem das Smartphone günstiger war als im freien Handel mit demselben Tarif. Bei Huaweis Topgerät ließen sich so knapp 300 Euro sparen.

Fazit der Tester: „Die alte Weisheit, das selbst gekaufte Handy wäre stets billiger als das Vertragshandy, gilt nicht mehr.“ Klar ist aber auch: Seit der Erhebung Ende 2019 hat sich der schnelllebige Tarif- und Gerätemarkt weiter bewegt. Und es kommt darauf an, wie flexibel jeder selbst bei Smartphonemodell und Tarif ist. Der Geld-Ratgeber Finanztip kommt zu dem Schluss, dass sich der Kauf im Vertrag für günstige Smartphones bis 400 Euro „so gut wie nie“ lohnt. Bei teuren Modellen kann sich ein Vergleich auszahlen.

Kosten über 24 Monate bei Berechnung entscheidend

Erlaubt der eigene Geldbeutel beide Kaufvarianten, raten Experten, für den Preisvergleich die jeweiligen Kosten über 24 Monate gegenüberzustellen. Denn das ist üblicherweise die Mindestvertragslaufzeit der Kombi-Tarife. Dafür rechnet man die monatliche Grundgebühr für den Kombi-Tarif mal 24 und addiert die Kosten für die Einmalzahlung für das Handys, Anschlussgebühren und Versandkosten. Erstere kann 1 Euro betragen, aber auch zwei oder dreistellig sein.

Beispiel-Rechnung: Ein Vertrag mit 40 Euro Monatsgebühr und 50 Euro Einmalzahlung ergibt über 24 Monate 1010 Euro Gesamtkosten. Dann wird etwa über Preissuchmaschinen verglichen, wo der günstigste Kaufpreis für das Wunschmodell im freien Handel liegt und ob das in Kombination mit einem vergleichbaren Einzelvertrag preiswerter ist. Separate Handyverträge sind zudem auf Wunsch oft sogar monatlich kündbar.

Kostenfallen beim Tarif mit Smartphone umschiffen

Fällt die Wahl auf ein Smartphone mit Tarif, dann rät etwa Stiftung Warentest, sich unbedingt zum Ablauf der 24 Monate für einen Anbieterwechsel bereitzuhalten. Das Gerät ist dann rechnerisch abbezahlt und man zahlt fortan an nur noch für den Tarif. Bei fairen Verträgen sinken die monatlichen Kosten nach 24 Monaten Vertragslaufzeit automatisch. Nachzulesen ist das im Kleingedruckten bei Vertragsschluss.

Zwar darf sich ein Handyvertrag nach neuer Rechtsprechung seit Dezember vergangenen Jahres bei vergessener Kündigung nicht mehr um mehr als einen Monat automatisch verlängern. Dennoch ist aus Expertensicht dann clever zu kündigen und zu entscheiden: Will ich wieder ein modernes Handy abbezahlen oder lohnt sich ein Anbieterwechsel und ich nutze das Gerät weiter?

Weitere Kostenfalle: Viele besitzen einen für sie überdimensionierten Tarif, der zu teuer ist gemessen an ihrer tatsächlichen Alltagsnutzung. Gerade üppiges Datenvolumen und flottes 5G-Tempo lassen sich die großen Netzanbieter gut bezahlen – das gebuchte Gigabyte-Guthaben wird dann aber oft kaum ausgenutzt in Zeiten von Homeoffice und Wlan unterwegs an vielen Orten.

Laut Bundesnetzagentur liegt das pro Vertrag im Schnitt verbrauchte Datenvolumen derzeit bei nur 4,3 Gigabyte. Klug ist es, das eigene Telefon- und Surfverhalten über einige Monate zu dokumentieren und zu überlegen: Welches Netz brauche ich unbedingt und wie teuer muss mein Vertrag wirklich sein?

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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