Photovoltaik

Energiewende: Wie man Solarstrom selbst erzeugen kann

Solarstrom lieferte im ersten Halbjahr zehn Prozent der Strommenge in Deutschland.

Solarstrom lieferte im ersten Halbjahr zehn Prozent der Strommenge in Deutschland.

Foto: Uwe Anspach / dpa-tmn

Die Umwelt schonen und dabei was verdienen – ab wann lohnt sich eine Photovoltaikanlage? Und wie viel Rendite springt hierbei raus?

Berlin.  Vor acht Jahren noch glaubte der damalige Chef des Stromkonzerns RWE, Solarstrom in Deutschland zu erzeugen sei so sinnvoll, wie Ananas in Alaska zu züchten. Er hat sich geirrt: Im ersten Halbjahr 2020 stammten zehn Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland aus Photovoltaik,Tendenz steigend. Und Solarstrom fließt nicht nur an sonnigen Tagen im Sommer.

Wer seinen Strom selbst macht, schont nicht nur die Umwelt, sondern kann auch daran verdienen. Fünf Prozent Rendite pro Jahr sind realistisch. Und wer den Strom mit einer Batterie im Keller zwischenspeichert, macht sich auch noch weitgehend unabhängig.

Selbst erzeugter Solarstrom kostet deutlich weniger als gekaufter Strom. Zehn bis 14 Cent pro Kilowattstunde – rund 31 Cent nimmt der Stromanbieter, hat der Verbraucher-Ratgeber Finanztip berechnet. Wird der selbst erzeugte Strom gleich zu Hause unterm Solardach verbraucht, ist das die nachhaltigste Nutzung, die möglich ist.

Solarstrom: Fünf Prozent Rendite pro Jahr

Finanztip hat eine Investition in eine Photovoltaikanlage für eine Familie im Eigenheim und 5000 Kilowattstunden Jahresverbrauch durchgerechnet: Diese Familie bräuchte eine Anlage mit fünf Kilowatt Leistung. Rund 30 Quadratmeter Platz braucht sie dafür auf dem Dach. Inklusive Dachmontage kostet das 6000 bis 7000 Euro netto. Nach zehn bis zwölf Jahren hat sich das in der Regel amortisiert, je nachdem, wie gut das Dach zur Sonne steht und wie sonnig es am jeweiligen Ort ist. Insgesamt kann die Familie nach 20 Jahren mit gut fünf Prozent Rendite pro Jahr auf das investierte Geld rechnen.

Denn einerseits spart die Familie durch den Eigenverbrauch Stromkosten – 30 Prozent des eigenen Stroms lassen sich in der Regel direkt nutzen. Andererseits verdient sie Geld, indem sie die übrigen 70 Prozent über das Stromnetz verkauft. Bundesweit zahlen die Netzbetreiber dafür einen einheitlichen Tarif von mehr als 8 Cent – für jede Kilowattstunde Solarstrom, die über 20 Jahre lang ins Stromnetz wandert.

Lesen Sie auch: Warum eine zweite Solar-Revolution bevorsteht

Der Stromverkauf zählt zu den gewerblichen Tätigkeiten. Damit kann sich der Anlagenbetreiber die Mehrwertsteuer auf den Kauf als Vorsteuer vom Finanzamt zurückholen. Aus diesem Grund werden in diesem Artikel Netto-Preise genannt. Die gewerbliche Tätigkeit bedeutet aber auch, dass die Photovoltaikanlage in der Steuererklärung zu berücksichtigen ist.

Den Eigenverbrauch erhöhen

Am stärksten profitieren Betreiber, wenn sie viel eigenen Strom selbst verbrauchen. Komplett selbst versorgen kann sich aber mit einer Photovoltaikanlage niemand. Schließlich produziert die Anlage nur Strom, wenn die Sonne scheint. Vor allem im Winterhalbjahr müssen Anlagenbetreiber Strom auch über das Netz beziehen.

Am einfachsten lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen, indem man Strom dann nutzt, wenn die Sonne scheint. Also etwa Spülmaschine oder Waschmaschine am Tag anwerfen. Deutlich erhöhen lässt sich der Eigenverbrauch mit einem Batteriespeicher. Unsere Beispielfamilie sollte in ihren Energiespeicher vier bis fünf Kilowattstunden Solarstrom speichern können. Der Eigenverbrauch erhöht sich dann auf rund 60 Prozent. Kosten: etwa 5000 Euro netto. Aber: Die Hersteller garantieren den Betrieb meist nur für zehn Jahre. Für diese Lebensdauer sind die genannten Kosten noch zu hoch – so rechnet sich ein Speicher nach Einschätzung von Finanztip nicht. Allerdings gibt es in neun Bundesländern und einigen Städten Zuschüsse beim Kauf von Speichern. Mit Förderung kann sich der Speicher bezahlt machen.

Elektroauto in Planung? Anlage gleich größer bauen

Wer in den nächsten Jahren plant, eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto anzuschaffen, sollte die Solarstromanlage gleich größer bauen. Denn die Kosten sind im Verhältnis umso niedriger, je größer die Anlage ist. Wer auch mit Strom heizt oder Auto fährt, kann locker die Hälfte des eigenen Solarstroms nutzen und noch mehr – auch ohne Speicher. Energiemanagementgeräte helfen, dass dies so effektiv wie möglich geschieht.

Auch interessant: Solaranlagen: Wo sie in Deutschland besonders gefragt sind

Solange die Geräte noch nicht vorhanden sind, kann der überschüssige Strom ins Netz eingespeist werden. Die Einspeisevergütung ist allerdings ein wenig geringer für Anlagen größer 10 Kilowatt Leistung. Zudem ist bei den größeren Anlagen die EEG-Umlage auf jede selbst genutzte Kilowattstunde Solarstrom zu zahlen. 2020 beträgt der Satz für Eigenverbraucher rund 2,7 Cent pro Kilowattstunde. Dritter Unterschied gegenüber kleineren Anlagen: Bei mehr als sieben Kilowatt Leistung ist ein teurer Stromzähler vorgeschrieben, der bis zu 100 Euro im Jahr kosten darf.

Solarstromerzeugung funktioniert auch ohne Eigenheim

Auch Mieter können Solarstrom erzeugen. Wer im Einfamilienhaus wohnt, kann das Dach vom Eigentümer pachten und eine Anlage betreiben. Im Mehrfamilienhaus lassen sich Balkone und Terrassen zur Produktion von Solarstrom nutzen. Es gibt PV-Kleinstanlagen, die an den Balkon gehängt oder auf die Terrasse gestellt und über eine Steckdose mit dem Hausnetz verbunden werden.

Die Geräte heißen zum Beispiel Indielux oder Solar-Pac. Kosten für ein Komplettsystem mit 275 Watt: ab 400 Euro brutto. Nach etwa fünf bis zehn Jahren ist das Geld wieder eingespielt. Diese kleinen Anlagen dienen einzig dem Eigenverbrauch. Wird kein Solarstrom verkauft, gibt es keine steuerlichen Pflichten.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Der Verbraucher-Ratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung.