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ETF, Depot, Verrechnung: Börsentipps für Neulinge

Geld gut anlegen: So funktionieren ETF

Viele Sparer sprechen über ETF. Aber was unterscheidet der Handel mit ihnen von gewöhnlichen Aktien? Das Video versucht aufzuklären.

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Wer in Fonds oder Aktien investieren will, braucht nicht nur einen langen Atem, er braucht auch ein Depot. Aber wie bekommt man eins?

Berlin. Der erste Besuch im neuen Wertpapierdepot ist natürlich nicht so spektakulär wie das Betreten einer neuen Wohnung. Aber ein besonderer Moment ist es schon, das erste Mal auf der eigenen Depot-Oberfläche zu landen. Das sollen also die digitalen vier Wände sein, in denen im besten Fall für 15 Jahre oder länger das Ersparte wächst? Der Verbraucher-Ratgeber Finanztip erklärt die ersten Schritte mit dem eigenen Wertpapierdepot.

Depot: Auswahl und Einrichtung

Haben sich Kunden für einen Anbieter entschieden, müssen sie das Depot eröffnen. Besonders günstig sind die Depots bei den großen Direktbanken – DKB, Comdirect oder Consorsbank. Dort bekommen Kunden günstige Kombilösungen für Konto, Kreditkarte und Depot.

Wer bereits ein Girokonto bei einer Direktbank führt und zusätzlich das Depot freischalten lassen will, muss in der Regel nicht erneut seine Identität nachweisen. Neukunden aber kommen um ein paar Angaben nicht herum. Die Depotbank bittet um persönliche Angaben wie Anschrift, Kontoverbindung und Gehalt.

Die seit 2018 geltende EU-Richtlinie Mifid-II verlangt außerdem, dass jeder Neukunde seine Erfahrungen mit Wertpapieren auf einer Skala angeben muss. Sollten Kunden später Wertpapiere kaufen, die ihren angegebenen Kenntnisstand übersteigen, würde die Direktbank eine Warnung aussprechen.

Am Ende ist noch ein Identitätsnachweis nötig. Die meisten Banken bedienen sich nach wie vor des Postident-Verfahrens. Die Kunden bekommen einen Antrag zur Depoteröffnung zugeschickt, mit dem sie zu einem Postschalter gehen, wo sie sich ausweisen müssen. Der Depotanbieter prüft die Unterlagen und schaltet dann das Depot frei. Bis es soweit ist, können zwei Wochen oder mehr vergehen.

Depot: Erst das Verrechnungskonto auffüllen

Bevor Anleger das erste Wertpapier kaufen können, müssen sie das Verrechnungskonto zum Depot auffüllen. Über dieses Konto rechnet die Bank die Käufe und Verkäufe der Wertpapiere ab. Meistens eröffnet die Bank das Verrechnungskonto zusammen mit dem Depot.

Manche Direktbanken richten kein zusätzliches Konto ein, sondern nutzen ein vorhandenes Tagesgeld- oder Girokonto für die Abrechnung. Dies funktioniert aber nur, wenn man die Konten bereits bei dieser Bank hat. In jedem Fall hat das Verrechnungskonto eine eigene Kontonummer und IBAN, und Anleger müssen es per Überweisung auffüllen, bevor sie Wertpapiere kaufen können.

Sparplan oder Einmalbetrag

Fonds-Pionier Sir John Templeton wurde einmal gefragt, wann der beste Zeitpunkt zum Investieren wäre. Seine Antwort: „Der beste Zeitpunkt ist, wenn man Geld dafür hat.“ Soll heißen: Liegen die ersten 5000 oder 10.000 Euro auf dem Verrechnungskonto, spricht nichts dagegen, damit in einem Schwung Wertpapiere zu kaufen.

Wer noch unsicher ist, kann auch einfach einen Sparplan anlegen. Dann kauft die Bank jeden Monat für einen festen Betrag Anteile an den gewünschten Wertpapieren. Das geht schon ab 25 oder 50 Euro monatlich – bis hin zu mehreren Hundert Euro pro Monat.

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ETF: Welcher darf’s sein?

Aktien- und Mischfonds, die von einem Fondsmanager geführt werden, kosten gerne mal zwei Prozent und mehr pro Jahr an Gebühren. Anleger sollten deshalb besser auf sogenannte ETFs setzen. Diese Abkürzung steht für „Exchange-Traded Fund“, börsengehandelter Fonds. Diese enthalten Aktien zahlreicher Unternehmen und verteilen so das Risiko. Aus Sicht von Finanztip sind ETFs das einzige, was in ein Anleger-Depot gehört. Möglich ist es aber auch, Aktien einzelner Unternehmen zu kaufen. Dann besteht allerdings das Risiko, dass sich genau diese irmen schlecht entwickeln – und das Ersparte dahin ist. Jüngstes Beispiel ist der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard.

Daher empfiehlt Finanztip ETFs auf den Weltaktienindex MSCI World, der für 85 Prozent des Börsenkapitals in 23 Ländern steht. Es gibt auch ETFs, die neben Industriel- auch Schwellenländer einbeziehen, sowie ETFs mit einem Schwerpunkt auf Europa oder Nachhaltigkeit. Auf der Website von Finanztip gibt es eine Übersicht, die für bestimmte Depots die jeweils erhältlichen Sparpläne auflistet.

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Tagesgeldkonto als Gegengewicht

Sparer sollten möglichst nur Geld an der Börse anlegen, auf das sie zehn, besser 15 Jahre nicht zugreifen müssen. Das heißt im Umkehrschluss: Neben dem Depot sind auch ein Tagesgeldkonto und ein Festgeldkonto wichtig.

Bitte keine Enttäuschung angesichts der niedrigen Zinsen: Die Rolle der risikoarmen Geldanlage Tages- und Festgeld ist es nicht, beeindruckende Renditen abzuliefern, sondern ein Gegengewicht zu den Börsenwerten im Depot zu sein – die mehr Risiken, aber zum Glück auch mehr Chancen auf Rendite bieten.

Börse: Der richtige Handelsplatz und die richtige Zeit

Mit den Wunsch-ETF geht es jetzt ins Kauf-Formular des Depots. Eins vorweg: Dem ETF sieht man es später nicht an, über welchen Handelsplatz er gekauft wurde. Beim Sparplan bestimmt ohnehin der Depotanbieter Kaufzeit und -ort. Nicht zuletzt deshalb ist die Geldanlage über einen Sparplan besonders einfach: Der Anleger muss im Grunde nur entscheiden, wie hoch die Rate sein soll. Diese kann man später problemlos ändern.

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Wer dagegen selbst handelt und einen Einmalbetrag investiert, solltest das wochentags zwischen 15 und 17.30 Uhr tun, wenn die Börsen in Europa und in den USA aktiv sind. Dann sind die Kurse an allen Handelsplätzen am vorteilhaftesten. Insgesamt sollte man diesen Punkt aber nicht überbewerten.