Technik

Digitaler Frühjahrsputz: Zeit nutzen und Geräte ausmisten

Sieht man den Desktop vor lauter abgelegter Dateien nicht mehr? Zeit für den digitalen Frühjahrsputz.

Sieht man den Desktop vor lauter abgelegter Dateien nicht mehr? Zeit für den digitalen Frühjahrsputz.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Millionen sind zu Hause isoliert. Zeit zum Entrümpeln! Mit diesen Tipps lassen sich PC, Smartphone und E-Mails richtig aufräumen.

Berlin. Millionen Menschen sind dieser Tage als Vorsichtsmaßnahme an das eigene Zuhause gebunden. Warum nicht die Zeit nutzen und die technischen Geräte mal ordentlich ausmisten?

Denn bei vielen sieht es so aus: Der PC-Bildschirm ist zugemüllt. Auf dem Smartphone tummeln sich Hunderte Apps, manche ewig nicht benutzt und längst vergessen. Die Zahl ungelesener E-Mails: fast vierstellig. So wie manche überflüssige Dinge in der Wohnung horten, neigen zahlreiche Menschen zur Unordnung auf ihren technischen Geräten.

Warum es so weit kommt und wie jeder für mehr Platz und Übersicht auf dem PC, dem Smartphone und im E-Mail-Postfach sorgt, können Experten wie Herbert Hertramph erklären.

Die richtige Aufräumstrategie

Hertramph ist eine Art Marie Kondo für Festplatten. Anders als die japanische Aufräumexpertin und Bestsellerautorin vermittelt der Soziologe der Universität Ulm, Blogger und Buchautor („Digital Cleaning“), wie jeder von uns sein digitales Leben von Ballast befreit. Für das zunehmende Phänomen zugemüllter Geräte sieht er drei Gründe:

Allen voran hätten wir es zu tun mit einer nie dagewesenen Informationsflut. „Jeder von uns erhält immer mehr interessante Dinge wie Webseiten, Newsletter oder Streamingangebote. Die sind attraktiv, stürmen aber auf uns ein“, sagt Hertramph. „Das ist explodiert. Viele leiden regelrecht darunter.“

Gleichzeitig können wir fast alle wichtigen Alltagsaufgaben inzwischen digital erledigen: von Ämtergängen über die Kfz-Ummeldung bis zum Versicherungskram. „Ich verliere dadurch immer mehr den Überblick, um wichtige Dinge schnell zu finden“, sagt der Soziologe.

Zudem muss niemand mehr mit Speicherplatz haushalten. Festplatten in PCs und Laptops sind großzügig bemessen. Externe Festplatten und Speicherkarten sind für jeden so günstig wie nie erhältlich. Wozu also etwas löschen?

Zum Problem wird digitales Chaos dennoch früher oder später, vor allem für den Kopf. Das kann Alltag und Job belasten. Ob man auf seinen Geräten eher penibel oder planlos veranlagt ist, scheint vor allem eine Typfrage zu sein. „Wer im analogen Leben aufgeräumt ist, schafft das meist auch auf Geräten“, sagt Hertramph. „Wer im Alltag alles vor sich herschiebt, bei dem sieht es auch auf dem PC chaotischer aus.“

Die richtige Aufräumstrategie für Computer und Notebook

Die Hürde beim Aufräumen von Computer und Laptop bestehe bei vielen darin, überhaupt anzufangen, berichtet Hertramph. Der Experte empfiehlt, sich im ersten Schritt auf dem Monitor kurz einen Überblick zu verschaffen.

Sein Tipp: Alle Symbole auf dem Hauptbildschirm ausblenden oder gleich löschen. Diese Icons seien auf dem Desktop unnötig. Die wichtigsten Programme lassen sich über das Startmenü (Windows) oder die systemweite Suchfunktion (Windows und Mac) genauso schnell finden.

Hertramph vergleicht den PC-Bildschirm mit einem Kleiderschrank: „Schaue ich mir erst jedes einzelne Stück an und überlege, ob ich es noch brauche, verliere ich schnell die Lust.“ Er empfiehlt die Radikalkur: Nur Dateien und Ordner behalten, an denen man regelmäßig arbeitet.

Alles andere würde er ausrangieren auf eine günstige externe Festplatte. Braucht man später doch mal noch eine Datei, durchforstet man die externe Festplatte bequem per Suchfunktion. Dann heißt es: Ab auf den Speicher mit dem Speicher. Weg mit der Festplatte auf den Dachboden. „In 99 Prozent der Fälle wird man die nie wieder anrühren“, sagt Hertramph. „Aber die meisten bringen es nicht übers Herz, Dinge zu löschen.“ Vorteil der Aktion: Der Rechner läuft wieder etwas flotter.

PC und Laptop: Drei Hauptordner bieten enormen Vorteil

Dann würde der Experte nur drei Hauptordner anlegen: ein „Archiv“ für wichtige Dinge wie Steuerpapiere, Rechnungen, Vertragsunterlagen und Fotoalben. Unter „Aktuell“ liegt alles, woran man gerade arbeitet – beruflich oder privat. Und unter „Nachschlagen“ sortiert man etwa Adressen oder Notizen. Darunter sind weitere Unterordner erlaubt, am besten geordnet nach Themen oder Jahreszahlen.

Vorteil der Drei-Ordner-Lösung: Wechselt man auf einen neueren Computer oder zwischen Windows und Apples Mac, lässt sich die gesamte Ordnerstruktur bequem umziehen. Neues lässt sich künftig schneller ablegen, der Kopf wird klarer.

Künstliche Intelligenz hilft Nutzern zu löschen

Wer unsicher beim Entfernen von Dateien ist, erhält womöglich bald Hilfe: Künstliche Intelligenz (KI) soll Privatnutzern und Firmen helfen, unnütze Dateien vom Rechner zu löschen. „Dare2Del“ (dt.: Trau dich zu löschen) heißt der Assistent, den ein Team um Informatik-Professorin Ute Schmid an der Universität Bamberg entwickelt.

Schließt der Nutzer ein Programm, schlägt Dare2Del fünf Dateien vor, die man löschen sollte, und liefert eine Begründung, erklärt die Informatik-Professorin das Prinzip. Dabei soll der Assistent stetig dazulernen und sich an das Nutzerverhalten anpassen. Noch ist die KI in der Projektphase und wird von ersten Firmen getestet.

Ordnung auf dem Smartphone: iPhone archiviert sogar automatisch

Nach dem Computer ist das Smartphone dran. Auch für unseren handlichen Alleskönner befolgt Hertramph eine Aufräumstrategie: „Ich würde nur die Startseite und einen zweiten Bildschirm nach eigenen Bedürfnissen einrichten.“ Hier gilt: Welche Apps nutze ich sehr häufig? Selten genutzte Apps findet man im Zweifel über die Suche und im App-Menü.

Auf iPhones bietet iOS eine Einstellung, mit der lange nicht benutzte Apps automatisch in die iCloud wandern. Sie verbleiben nur noch virtuell auf dem Gerät. Und gegen die gefühlte Informationsflut kann es helfen, auf dem privaten Smartphone sämtliche Benachrichtigungen und Push-Meldungen der Apps abzustellen. „Alles, was dort aufploppt, reißt einen ständig aus den Gedanken“, so der Experte.

E-Mail-Postfach ausmisten: Posteingang freiräumen ist gut vor den Kopf

Bleibt der letzte Ort, wo fast jeder Bedarf zum Ausmisten hat: das E-Mail-Postfach. Alle einzeln durchgehen? Auf keinen Fall! Der Expertentipp: Alle alten Mails verschieben in einen Hauptordner, etwa „2019“ genannt. „Alles, was neu reinkommt, habe ich dann besser im Blick.“

So ein Neuanfang im Mail-Postfach tut dem Kopf gut, ehe man alles vor sich herschiebt. Bevor man am Entrümpeln und Sortieren verzweifelt, kann jeder natürlich auch schlicht weniger Fotos machen, sparsamer E-Mails schreiben oder überlegen, ob man jedes Spiel wirklich braucht.

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