Dienstleistung

So kommen Sie mit Extra-Service barrierefrei zum Flugzeug

Auf vielen Flughäfen wie in Hannover gibt es einen Extra-Service für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Auf vielen Flughäfen wie in Hannover gibt es einen Extra-Service für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Foto: SRT-Archivbild / SRT-Archivbild/www.srt-bild.de

Deutsche Flughäfen sind gut aufgestellt, Passagieren mit eingeschränkter Mobilität Reisen zu erleichtern. Einige wurden ausgezeichnet.

Berlin.  Die Zahl an Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die auf eine Flugreise gehen, nimmt auch in Deutschland zu. Sie finden an den meisten Airports Serviceleistungen, die ihnen das Reisen erleichtern. Die Flughäfen Dortmund, Hannover und München wurden sogar mit dem Qualitätssiegel „Reisen für Alle“ für barrierefreie Angebote und Dienstleistungen ausgezeichnet. Bei der Zertifizierung der Flughäfen wird die gesamte Servicekette erfasst – von der Anreise über den Aufenthalt bis zur Passagierbetreuung und -information.

Dortmund: barrierefreie Webseite

Der Fokus in Dortmund liegt vor allem auf Personen mit Geh-, Hör- oder Sehbehinderung sowie kognitiven Beeinträchtigungen. Der kostenlose Service richtet sich speziell an „people with reduced mobility“ (PRM), also an Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Im vergangenen Jahr haben rund 9800 Menschen den Dienst in Anspruch genommen – Tendenz steigend. Zum Service des 20-köpfigen Teams gehören die Betreuung am Flughafen beim Check-in und an der Sicherheitskontrolle sowie die Begleitung bis zum Flieger.

Menschen mit Hörschädigungen können induktive Höranlagen ausleihen, außerdem sind die Ausschilderungen bildhaft oder mit Piktogrammen gekennzeichnet. Alle Shops und Restaurants liegen ebenerdig, ebenso die Sanitäranlagen.

Bei der Anreise können die Gäste den Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen der Stadt Dortmund in Anspruch nehmen. Er ist über den Begleitservice des Flughafens buchbar. Die barrierefreie Webseite erlaubt allen Nutzern, also auch Menschen, die etwa blind, sehbehindert, gehörlos oder motorisch eingeschränkt sind, einen einfachen Zugang zu Informationen über das Internet.

www.dortmund-airport.de/barrierefreies-reisen

Hannover: spezielle Rufsäulen

Am Flughafen Hannover stehen Passagieren rund 60 Mitarbeiter der Johanniter Tag und Nacht zur Verfügung. Sie begleiten die Reisenden auf ihrem Weg von der Terminaltür bis zum Sitz im Flugzeug und zurück. In der Ankunft- und Abflugebene befinden sich Rufsäulen, von denen aus der sogenannte PRM-Service erreichbar ist.

Diese sind durch ein Rollstuhlpiktogramm kenntlich gemacht und durch Induktionsschleifen auch für Hörgeräteträger nutzbar. Per Direktruftaste können die Passagiere die Hilfestellung jederzeit bestellen. An einigen Eingängen wurden außerdem sensorische Streifen auf dem Boden verlegt, die direkt zu den Servicerufsäulen führen.

Zusätzlich gibt es einen kostenpflichtigen Abhol- und Ankunftsservice sowie verschiedene Comfort-Service-Pakete, die für alle Passagiere buchbar sind. Der „Departure Service“ umfasst etwa den Empfang am VIP-Parkplatz, Erledigung des Check-in, Aufenthalt im Take-off Meeting Room und priorisierte Bordkartenkontrolle.

Wer den Service in Anspruch nehmen möchte, sollte sich spätestens 48 Stunden vor dem geplanten Abflug bei der Fluglinie oder dem Reisebüro melden.

• Airport Service Center am Flughafen Hannover: Tel. 0511/97 70, www.hannover-airport.de

München: zweimal ausgezeichnet

Der Münchner Flughafen hat 2016 zusätzlich zum Qualitätssiegel auch das Signet „Bayern barrierefrei – wir sind dabei“ erhalten. Im vergangenen Jahr betreute der Mobility Service mehr als 354.000 Passagiere mit Mobilitätseinschränkungen – 20 Prozent mehr als 2016.

Der Service ist ein kostenloses Angebot des Airports und wird von der Aicher Ambulanz durchgeführt. Die Mitarbeiter unterstützen nicht nur Reisende mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen, sondern auch ältere Fluggäste, die weite Strecken nicht zu Fuß gehen können und bei ihrem Weg vom Check-in-Schalter über die Sicherheits- und Passkontrolle bis zum Flugzeug auf Unterstützung angewiesen sind.

Dafür stehen unter anderem Rollstühle bereit. An der Hauptinformation im München Airport Center erhalten sehbehinderte und blinde Passagiere auf einer Flughafenübersichtstafel in Brailleschrift einen Überblick über die Topografie am Airport.

Vom S-Bahn-Steig auf Ebene 02 führen taktile Bodenmarkierungen zum Aufzug, mit dem man die Ebene 03 erreicht und dort die Hauptinformation. Auch in den Eingangsbereichen der Ebenen 03 und 04 gibt es Relieftafeln in Brailleschrift, die den Weg zum Sonderbetreuungsschalter beschreiben.

• Mobility Service am Flughafen München: www.mobility-service.org


Kostenlos parken

Fluggäste mit Behinderungen, die mit dem Auto anreisen, können etwa am Dortmunder Airport in den Parkhäusern P1 und P2 auf den ausgewiesenen Flächen kostenlos parken. Voraussetzung ist ein Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“, „Bl“, „H“ oder „B“.

In Hannover und München erhalten Ausweisinhaber einen Preisnachlass von 50 Prozent. Am Frankfurter Flughafen können eingeschränkte Passagiere die Dienste der „FRA Care Services“ in Anspruch nehmen (www.fracareservices.de), und in Hamburg bietet der DRK Mediservice eine ähnliche, kostenpflichtige Betreuung an (Tel. 040/55 42 00).

In Stuttgart unterstützen rund 84 Mitarbeiter des Boarding Supports Passagiere kostenlos vom Check-in bis zum Einsteigen. Um alle Serviceleistungen an den Airports in Anspruch zu nehmen, müssen Passagiere mit eingeschränkter Mobilität oder Behinderung mindestens 48 Stunden vor Reiseantritt bei ihrer Airline oder im Reisebüro Bedarf anmelden und mitteilen, welche Hilfe sie brauchen (Tel. 0711/94 84 00).

Die Ergebnisse des Qualitätssiegels „Reisen für Alle“: www.reisen-fuer-alle.de

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.