Technik

So wird die alte Stereoanlage fit für Spotify und Co.

Per Bluetooth- oder WLAN-Adapter werden auch 20 Jahre alte Stereoanlagen zu modernen Musik-Streaming-Geräten.

Per Bluetooth- oder WLAN-Adapter werden auch 20 Jahre alte Stereoanlagen zu modernen Musik-Streaming-Geräten.

Foto: Viktorus / Getty Images/iStockphoto

Die analogen Hi-Fi-Schätzchen müssen nicht in den Elektroschrott. Adapter für WLAN oder Bluetooth machen die Verstärker netzwerkfähig.

Berlin.  Es ist ein trauriges Bild: Die teure Stereoanlage, einst der Stolz des Wohnzimmers, bleibt immer öfter stumm, weil statt dessen kleine, batteriebetriebene Boxen Musik hinausplärren. Zwar können sie es weder klanglich noch in Sachen Lautstärke mit den mächtigen 500-Watt-Lautsprechertürmen aufnehmen – doch die Audiozwerge haben einen entscheidenden Vorteil: Sie können per Funk mit dem Smartphone kommunizieren und so YouTube-Songs, Spotify-Playlisten und geteilte MP3s abspielen.

Das ist aber kein Grund, sich von den alten Hi-Fi-Schätzchen zu trennen, denn es gibt mittlerweile zahlreiche Gerätschaften, die auch „Audio-Senioren“ ins Netz bringen. Stiftung Warentest hat sich für das aktuelle Heft (8/2017) zahlreiche Helferlein genauer angeschaut.

Verbindung per Bluetooth

Tatsächlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie man die Anlage vernetzen kann. Die einfachste und oft günstigste ist ein Bluetooth-Adapter. Das sind kleine Kästchen, die man genauso wie den CD- oder Plattenspieler an den Verstärker anschließt – etwa am AUX-Eingang, oder bei älteren Verstärkern am Tape-Eingang, der früher für das Kassettendeck genutzt wurde. Alle am Markt verfügbaren Geräte haben einen 3,5-Millimeter-Klinkenausgang. Mit einem entsprechenden Adapterkabel für das Cinch-Format lassen sich die digitalen Funkkästchen auch an 30 oder 40 Jahre alte Stereoanlagen stecken. Bessere Adapter bieten darüber hinaus auch einen Digitalausgang für verlustfreie Übertragung.

Der Bluetooth-Adapter selbst ist die Funkbrücke zum Smartphone und wird wie ein Kopfhörer oder eine entsprechende Box gekoppelt.

Modelle schnitten „gut“ und „sehr gut“ ab

Der Vorteil an dieser Verbindungsvariante ist, dass sie sehr einfach funktioniert und günstig ist – die Adapter kosten zwischen 20 und 60 Euro. Nachteil ist, dass das zuspielende Smartphone die ganze Zeit gebraucht wird, Telefonate sind während des Abspielens nicht möglich.

Im Test von Stiftung Warentest schnitten alle Modelle „sehr gut“ oder „gut“ ab. Testsieger war der Conrad Renkforce Bluetooth Music Receiver (Note: 1,3/44 Euro), dicht gefolgt vom etwas besser ausgestatteten Philips AEA2700/12 (Note: 1,4 / ca. 52 Euro). Beide Geräte unterstützen zusätzlich den Audiostandard aptX für besseren Klang, Philips auch noch den von Apple genutzten AAC-Codec. Das Philips-Gerät erlaubt außerdem die gleichzeitige Anmeldung von bis zu drei Smartphones. Günstigster Testkandidat war übrigens das TP-Link HA100 (Note: 1,7/ca. 22 Euro).

Verbindung per WLAN

Deutlich flexibler ist es allerdings, eine Anbindung per WLAN zu schaffen. Denn hier läuft die Übertragung der Musikdaten nicht über das Smartphone, sondern über das heimische Netzwerk. Spielt man etwa Musik per Spotify oder Deezer ab, dann wählt man das gewünschte Lied zwar über eine App am Smartphone aus, die Musik streamt der WLAN-Adapter dann aber selbst zur Anlage, das Smartphone wird also nicht weiter gebraucht und kann beliebig anderweitig genutzt werden. Außerdem können so auch – je nach Gerät – hochaufgelöste Audioformate wie FLAC verlustfrei übertragen werden.

Die günstigste Variante ist hier Googles Chromecast (Note: 3,5/39 Euro). Ihm beschied Stiftung Warentest eine sehr gute Klangqualität, wertete das Gerät aber ab, weil die Gebrauchsanleitung zu karg sei. Einrichtung und Nutzung werden immerhin in der App erklärt – als günstiger Einstieg ist das Gerät deshalb durchaus empfehlenswert.

Anschluss an Multiroom-Boxen

Wer gern mehr Ein- und Ausgänge hätte oder sogar das Schallplatten- oder CD-Signal der Anlage in andere Räume auf Multiroomboxen (kabellose Lautsprecher für jeden Raum) streamen möchte, muss etwas mehr ausgeben.

Im Test am besten schnitten Yamaha WXC-50 (Note: 1,5/ca. 380 Euro), Denon Heos-Link HS2 (Note 1,6/ca. 370 Euro) und Raumfeld Connector (Note: 2,1/ca. 180 Euro) ab.

Welches Gerät man wählt, bestimmen hier aber vor allem vorhandene Multiroomboxen – denn diese sind meist nur zum eigenen Hersteller kompatibel. Wer etwa bereits Boxen von Sonos besitzt, für den ist Sonos Connect (Note: 3,8/ca. 380 Euro) zweifellos am sinnvollsten. Auch hier sollte man sich nicht von der mäßigen Gesamtnote irritieren lassen: Die Audioqualität bewerteten die Tester als sehr gut – die deutliche Abwertung erfolgte erneut aufgrund der Anleitung und des hohen Standby-Stromverbrauchs von 5,4 Watt. Hier dürften die Prioritäten vieler Musikfans allerdings anders liegen, sodass auch dieses Gerät für sie durchaus empfehlenswert ist.