„Kreatives Potenzial schlummert in jedem“

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Alexandra Bülow
Redner und Autor Gerriet Danz war vorher Kreativdirektor in einer großen internationalen Werbeagentur

Redner und Autor Gerriet Danz war vorher Kreativdirektor in einer großen internationalen Werbeagentur

Foto: Gerriet Danz

Redner Gerriet Danz weiß, wie jeder Mensch noch leichter frische Ideen entwickeln kann – im Job und im eigenen Leben.

„Never change a winning team“ ist ein beliebter Satz in der Arbeitswelt. Oder auch dieser: „das haben wir immer so gemacht“. Gerriet Danz kommentiert den zweiten Spruch so: „Das sind die sechs teuersten Worte für ein Unternehmen.“ Teuer? Ja, denn so werden frische Ideen und Vorschläge gern und allzu schnell abgewürgt, statt sie frei und ungehemmt weiterzudenken, an ihnen zu basteln, sie zu gestalten, neue Wege zu beschreiten – und so das Unternehmen voranzubringen. Die Folge: Für den Moment ist alles hübsch sicher, denn man ist auf bekannten Pfaden unterwegs. Mittel- und langfristig aber sind Innovationen selten, es läuft nicht so, wie es sollte – und könnte.

Gerriet Danz will mehr Ideen, mehr Kreativität, mehr Schwung und stellt seine Sicht, seinen Umgang mit Ideen und Kreativität im Vortrag „Innovation kann jeder! Wie Sie mit Ihrer Kreativität die Welt verändern“ vor. Diesen hält er am 7. Oktober im Rahmen der Reihe „Weiterkommen“, einer Kooperation des Hamburger Abendblatts mit dem Institut für Weiterbildung der Universität Hamburg (siehe Kasten). Danz weiß genau, wovon er spricht: Er war Kreativdirektor der internationalen Werbeagentur BBDO, unterstützte Unternehmen bei der Entwicklung und Verbreitung von Innovationen. Auch schuf er neue Fernsehformate. Heute gibt Danz sein Wissen und seine Erfahrung als Trainer, Redner und Bestsellerautor weiter. Auch hat er sich im Silicon Valley in Kalifornien umgesehen, der Denkschmiede schlechthin, mit Unternehmen, die neue Wege gehen, die querdenken, ihre Innovationen voranbringen und Märkte überraschen.

Tatsächlich, sagt Danz, sind die Deutschen sehr wohl innovativ, viele Menschen stecken voller Ideen. Das stellt er auch in seinen Workshops immer wieder fest: „Kreatives Potenzial schlummert in jedem Menschen.“ Man hat hierzulande Lust, Neuerungen und Erneuerung anzustoßen. Nur bei der Umsetzung hapert es, findet der Trainer, der viele Unternehmen deutschlandweit berät. Es geht darum, seine Ideen schmackhaft zu machen – kurzum: sie zu verkaufen. Danz nennt zwei Beispiele: Thomas Edison, Erfinder und Unternehmer im Bereich Elektrizität. „Er hat seinerzeit ganze Umzüge veranstaltet, um das Licht zu propagieren“, sagt Danz. Ein zweites Beispiel aus jüngster Zeit ist Steve Jobs, Gründer von Apple. Seine Art, ein neues Produkt zu präsentieren, war neu, frisch, anders. Und cool. „Beide Männer sind brillante Verkäufer“, findet Danz. „Es geht um die Frage, wie man es schafft, leidenschaftlich seine Idee vorzustellen und andere davon zu überzeugen.“ Eine 20-seitige Power-Point-Präsentation ist schon mal nicht das geeignete Mittel, eine Idee lebendig werden zu lassen. Es reicht nicht, Querdenker zu sein, man muss auch das werden, was Danz einen „Quermacher“ nennt – jemand, der eine Idee, wie er es ausdrückt, „auf die Straße bringt“.

Um so kreativ zu sein und die üblichen Bedenkenträger auszuhebeln, gibt es bestimmte Techniken. Diese stellt Gerriet Danz auch in seinem Vortrag vor. Zumal man oft genug selbst der ärgste Bedenkenträger ist und seinen eigenen Ideen damit ein Bein stellt. Um sich selbst Neuem gegenüber aufzuschließen, kann man damit beginnen, jeden Tag etwas Neues zu tun. Danz schlägt vor, einen neuen Weg zur Arbeit zu wählen, sich eine Zeitschrift zu kaufen, die einen normalerweise nicht ansatzweise interessieren würde. Warum nicht einmal darin stöbern mit der Lust, etwas zu entdecken, das man noch nicht wusste, kannte oder das sogar spannend für den eigenen Job oder das Leben sein könnte? Auch das Lernen einer neuen Sprache oder ein Ausflug in eine Gegend, die einen eigentlich nicht reizt, kann anregen, den Blick und den Geist zu öffnen für Neues. Was nicht weiterbringt: sich viele Gründe aufzusagen, warum etwas nicht interessant ist, nicht funktioniert, keinen Spaß macht, nicht einfach ist. Was weiterbringt: Einfach mal machen. „Kreativität und Innovationskraft sind Formen des Ausprobierens“ erklärt Danz. „Dazu gehört auch die Möglichkeit zu scheitern.“ Ausprobieren und scheitern ist immer besser, als es gar nicht erst zu versuchen.

Allerdings müssen auch Unternehmen eine solche Denke fördern. Da hilft nicht der Blick nur auf die nächsten Quartalszahlen, sondern auch eine langfristige Planung – was kann das Unternehmen in den kommenden Jahren gefährden, wie können wir das verhindern, wo wollen wir hin? Danz erzählt von einem Unternehmen, das einen Wettbewerb ausgelobt hat für den produktivsten Fehler. Mit Preisübergabe. Das konnte eine Idee oder ein Vorgehen sein, das schiefging, nicht funktionierte oder nicht machbar war – doch neue Ideen brachte, neue Ansätze. Das ist ein gutes Signal an die Belegschaft: Fehler sind okay. So können Mitarbeiter befreit denken und haben Lust, zu tüfteln – der beste Weg zu Innovationen. „Ein solches Experimentieren wird verhindert, wenn man an dem festhalten will, das man schon kennt“, erklärt Danz. Er plädiert für das, was Unternehmen wie Google schon lange machen: in den Arbeitsvertrag hineinzuschreiben, dass der Mitarbeiter einen bestimmten Anteil der Arbeitszeit darauf verwendet, zu überlegen, was das Unternehmen braucht, um voranzukommen.

Außerdem setzt Danz auf Austausch. Und zwar von Mitarbeitern in verschiedenen Abteilungen – aber der Blick sollte auch über die eigene Branche hinaus gehen. Wie das aussehen kann, erklärt der Speaker in seinem Vortrag. Es wird einige Anregungen geben, für die Arbeit und für die eigene Persönlichkeit. Auch wenn man das alles noch nie so gemacht hat. Denn wie heißt die Reihe? Weiterkommen!