"Ideal ist es, wenn der Vater die ersten Wochen freinehmen kann"

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Vera Altrock

Hebamme Ilka Schepers gibt zukünftigen Eltern nützliche Tipps

Ilka Schepers arbeitet seit acht Jahren als Hebamme in Hamburg. Seit eineinhalb Jahren ist sie in der Hebammenpraxis im Kleinen General in Eppendorf beschäftigt.

Hamburger Abendblatt:

Wie bereiten Sie in Ihren Kursen die Eltern auf ihre zukünftige Rolle vor?

Ilka Schepers:

Ich vermittle den werdenden Eltern, dass die Zeit mit ihrem Baby eine großartige Zeit wird. Aber sie sollten auch realistisch sein und sich auf eine sehr anstrengende Phase in ihrem Leben einstellen, denn für das Elternpaar ist die erste Zeit auch eine Krise. Schließlich wird das bisherige Leben komplett umgekrempelt. Daher ist es wichtig, dass sie die ersten Wochen schon im Voraus gut organisieren. Die Mutter sollte wie die "Königin des Wochenbetts" behandelt werden, das heißt, sie sollte sich wirklich schonen und von der Geburt erholen. Dafür braucht sie Unterstützung, sei es von den Eltern, von Freundinnen und natürlich vom Partner - ideal ist es, wenn der Vater sich in den ersten Wochen freinehmen kann.

Welche Rolle spielt das familiäre Netzwerk in den ersten Wochen?

Schepers:

Eine sehr große! Das merkt man dann, wenn das Kind da ist. Es ist eigentlich von der Natur nicht vorgesehen, dass wir ein Kind allein großziehen. Häufig erlebe ich aber Mütter in der Praxis, die isoliert sind, kein funktionierendes Netzwerk haben, und daher oft überlastet sind. Wer seine Familie nicht in der Nähe hat, sollte sich nicht scheuen, von außen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür gibt es in Hamburg zum Beispiel Initiativen wie den Wellcome-Service oder den Oma-Hilfsdienst, die ehrenamtliche Mitarbeiter beziehungsweise Senioren zur Unterstützung in Familien schicken.

Welche Tipps geben Sie Eltern, wenn es ums Einkaufen geht?

Schepers:

Am sinnvollsten ist es, das Hebammengespräch abzuwarten. Es gibt mittlerweile einen so großen Markt an Produkten für Schwangere und Babys, dass man schnell den Überblick verliert und gar nicht weiß, was man wirklich braucht und was nicht. Die Hebamme hat meist schon eine fertige Liste, die die werdende Mutter dann ganz einfach abhaken kann. Damit das Einkaufen nicht in Stress ausartet, empfehle ich, statt auf Quantität lieber auf Qualität zu achten. Also lieber nur ein paar Bodys kaufen, aber dann aus richtig guter Wolle. Prima ist es auch, wenn man von Freundinnen schon getragene Baby-Sachen geliehen bekommt oder Stücke auf Flohmärkten kauft, weil die schon viele Male gewaschen wurden und keine schädlichen Stoffe mehr enthalten, die die zarte Babyhaut reizen könnten. So eine Basisausstattung nach Größen sortiert in der Wickelkommode zu haben, gibt der werdenden Mama schon mal viel Ruhe.

Was ist das Wichtigste, damit sich das Baby in seinem neuen Heim wohlfühlt?

Schepers:

Am wichtigsten ist es zu begreifen, welche Bedürfnisse das kleine Wesen erst einmal hat. Eltern sollten ihrem Kind die Wärme und Geborgenheit geben, die es aus dem Bauch kennt. Das heißt, dass es nun ganz viel Körperkontakt mit Mama und Papa braucht. Dazu eignen sich hervorragend Tragetücher oder Tragegestelle wie Ergocarrier und Mandukas. Viele Babys mögen es auch, fest in ein Tuch gewickelt zu schlafen, zum Beispiel von der Marke "Swaddle me". Regelmäßige Auf-und-ab-Bewegungen wirken häufig beruhigend auf Neugeborene. Ganz toll finde ich daher Baby-Hängematten, die am Türrahmen oder an Deckenbalken befestigt werden und mithilfe einer Feder auf- und abwippen. Damit sich das Baby wohlfühlt, braucht es aber auch und vor allem entspannte Eltern. Daher empfehle ich, die "Baby-Flitterwochen" wirklich zu genießen.