Skandal um Organhandel

Transplantationsskandal: Ermittler suchen nach Beweisen für Organhandel

Die Göttinger Staatsanwältin Serena Stamer sagte, die Ermittlungen zu den Unregelmäßigkeiten an der Klinik dauerten an, ohne dass sich bisher Belege für den Fluss von Geld als Gegenleistung für eine beschleunigte Transplantation ergeben hätten.

Göttingen/Regensburg. Im Transplantationsskandal an den Unikliniken Göttingen und Regensburg suchen die Ermittler weiter nach Beweisen für einen Handel mit Organen und nach möglichen Mittätern. Nach Erhalt von Krankenhausakten rechnet die Staatsanwaltschaft in Regensburg frühestens in zwei Wochen mit ersten Ergebnissen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl am Montag. Ob neben dem bislang verdächtigten Oberarzt und einem weiteren Mediziner inzwischen noch mehr Personen in den Fokus der Ermittlungen geraten sind, konnte der Jurist nicht sagen.

Die Göttinger Staatsanwältin Serena Stamer sagte, die Ermittlungen zu den Unregelmäßigkeiten an der Klinik dauerten an, ohne dass sich bisher Belege für den Fluss von Geld als Gegenleistung für eine beschleunigte Transplantation ergeben hätten.

Ein Oberarzt steht unter Verdacht, zuerst in Regensburg und später im Göttinger Uniklinikum Krankenakten gefälscht zu haben, um seinen Patienten zu einer schnelleren Lebertransplantation zu verhelfen. Ermittelt wird wegen 23 Fällen in Regensburg zwischen 2004 und 2006 sowie wegen ebenfalls 23 Fällen in Göttingen in 2010 und 2011. Hinweisen auf weitere Unregelmäßigkeiten in Göttingen in den neunziger Jahren gehen die Ermittler ebenfalls nach. Der Arzt bestreitet nach Angaben der Göttinger Klinik die Vorwürfe. Wegen der Göttinger Fälle wird auch gegen einen zweiten Mediziner ermittelt. In Regensburg wurde der Chirurgie-Chef der Klinik beurlaubt.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) waren der Oberarzt und der mittlerweile beurlaubte Chirurgie-Chef seit Jahren sehr vertraut. Die beiden Ärzte hatten sich demnach bereits Mitte der 1990er Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt die Chirurgie in Regensburg übernommen habe, habe er den Oberarzt in seine Abteilung geholt. Beide seien von da an häufiger ins arabische Ausland geflogen, um dort zu transplantieren. Der Chefarzt habe zudem die bis dahin schleppend verlaufene Karriere des Oberarztes in Gang gebracht.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), befürchtet derweil, dass der Organspende-Skandal das Vertrauen der Bürger in die Transplantationsmedizin massiv schädigt. "Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten", sagte Zöller der "Neuen Ruhr Zeitung / Neuen Rhein Zeitung" (NRZ) am Montag in Essen mit Blick auf eine nachlassende Organspendebereitschaft in der Bevölkerung. Gerade jetzt, da man mit dem Transplantationsgesetz Vertrauen wecken wolle, komme diese Meldung. "Schlimmer hätte es nicht kommen können", sagte Zöller. "Es wird garantiert Monate, wenn nicht Jahre dauern, um das Vertrauen in die Organspende wieder herzustellen."

Zöller forderte eine "hohe Strafe" für den verantwortlichen Arzt, wenn dessen Schuld, Patientenakten manipuliert zu haben, erwiesen sei. "So ein Mensch hat im Gesundheitswesen nichts mehr verloren. Einen Entzug der Approbation würde ich begrüßen." Zugleich lehnte der CSU-Politiker eine staatliche Überwachung der Organspende ab. Stattdessen brauche man nun vor allem Transparenz.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fordert als Konsequenz aus dem Organspendeskandal eine Verbesserung der Kontroll- und Sanktionsmechanismen. Die Prüfungs- und Überwachungskommissionen der Ärztekammern müssten unangekündigt Stichproben-Kontrollen in den Krankenhäusern vornehmen, sagte der FDP-Politiker den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Montag). Dies sei auf Grundlage des neuen Transplantationsgesetzes möglich, das seit Mittwoch in Kraft ist. Zugleich betonte Bahr, weiter das Gespräch über die Parteigrenzen hinweg zu suchen. "Beim neuen Transplantationsgesetz haben wir alle Parteien beteiligt. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt", sagte der Bundesgesundheitsminister. Manipulationen an Krankenakten müssten künftig besser verhindert werden. Am Freitag hatte Bahr bereits ein Spitzengespräch mit Ärzten und Vertretern von Krankenkassen und Krankenhäusern über Konsequenzen aus dem Organspendeskandal angekündigt. Es soll am 27. August stattfinden.

(dpa/lni/KNA)

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