In eigener Sache

Von heute an müssen Nicht-Abonnenten für die Lokal- und Regionalberichte auf abendblatt.de zahlen

Der Zugriff auf Lokal- und Regionalberichte sowie das Archiv ist nun für 7,95 Euro pro Monat im Abo zu haben. Für Zeitungs-Abonnenten bleibt das komplette Angebot von abendblatt.de kostenfrei.

Hamburg. Das Umdenken setzte vor einem knappen Jahr ein: Am 5. Februar erschien das US-amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ mit der Titelgeschichte „How to save your Newspaper“. Bei dem Stück handelte es sich um ein leidenschaftliches Plädoyer von William Isaacson, dem Leiter des Aspen Instituts, für kostenpflichtige Inhalte im Internet. Zuvor hatte sich bereits der Chefredakteur der „New York Times“, Bill Keller, öffentlich Gedanken über Gebühren für Online-Journalismus gemacht. Und das im Internet erscheinende Magazin „Slate“ stellte Kriterien für erfolgreiche Bezahlinhalte auf: Sie müssen unverzichtbar, wunderbar gestaltet, absolut zuverlässig und einfach zu nutzen sein.

In Deutschland war der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, einer der Ersten, die darauf hinwiesen, dass Qualitätsjournalismus online und mobil nicht länger zum Nulltarif angeboten werden darf. Folgerichtig ist Springer hierzulande Vorreiter bei kostenpflichtigen Angeboten. Zuletzt entwickelte der Verlag Bezahlinhalte von „Bild“ und „Welt“ für das iPhone von Apple. Nun werden auf abendblatt.de Lokal- und Regionalberichte sowie das Archiv kostenpflichtig – allerdings nur für Leser, die bisher rein gar nichts bezahlen. Abonnenten des Abendblatts müssen online keine Gebühr entrichten.

Warum aber soll Online-Journalismus künftig überhaupt kostenpflichtig sein? Hier hilft ein Blick in die USA: Die Zeitungen dort stehen enorm unter Druck. Die Anzeigenkunden verabschieden sich ins Internet. Und die Leser informieren sich lieber über Online-Gratisangebote, als für die gedruckte Zeitung Geld zu bezahlen. Die Auflagen brechen ein. Schon wurden die ersten Blätter eingestellt. In Deutschland ist die Lage längst nicht so dramatisch. Aber die Probleme, mit denen sich deutsche Verleger konfrontiert sehen, sind die Gleichen.

Ursprünglich glaubten sie, das wegbrechende Anzeigengeschäft ihrer Zeitungen mit Werbeeinnahmen im Internet kompensieren zu können. Das aber funktionierte nicht: Online gibt es unendlich viel Werbeflächen. Auf der Website jedes Kaninchenzüchtervereins und auf dem Blog eines jeden Studenten kann geworben werden. Entsprechend niedrig sind die Erlöse aus Online-Werbung.

Zudem bestimmen im Internet nicht die Medienhäuser der analogen Welt die Spielregeln. Hier haben neue Unternehmen wie die Suchmaschine Google das Sagen, die in Wirklichkeit global agierender Werbevermarkter ist. Legendär ist mittlerweile der Ausspruch des Verlegers Hubert Burda, dass im Internet mit Werbung nur „lausige Pennys“ zu verdienen seien.

Wenn aber mit Werbung im Internet kaum Geld verdient werden kann, ist Qualitätsjournalismus zum Nulltarif nicht zu finanzieren. Dass die Verlage überhaupt auf die Idee verfielen, Gratisangebote im Internet könnten sich rechnen, lag daran, dass sie ein Geschäftsmodell ins Netz übertrugen, das heute nicht einmal mehr in der analogen Welt funktioniert. Früher deckte der Preis, den ein Leser für eine Zeitung am Kiosk zahlte, die Kosten für Druck und Vertrieb. Da es diese Positionen im Internet nicht gibt, glaubten die Verlage, ihre Inhalte online umsonst anbieten zu können. Die Aufwendungen für die Redaktion wollten sie aus Werbeerlösen bestreiten.

Längst weiß man, dass diese Rechnung nicht mehr aufgeht. Vor einer Woche verglich der Geschäftsführer des „Spiegels“, Ove Saffe, anlässlich eines Pressegesprächs die heutige Erlösstruktur seines Blattes mit der des Jahres 2000. Sie hat sich nahezu umgekehrt: Kamen 2000 noch zwei Drittel der „Spiegel“-Erlöse aus dem Anzeigengeschäft, ist es heute nur noch ein gutes Drittel. Den Werberückgang versucht das Nachrichtenmagazin durch höhere Heftpreise auszugleichen. Andere Printtitel gehen ähnlich vor. Auch beim Privatfernsehen gibt es wegen des einbrechenden Werbegeschäfts Pläne, den Zuschauer zur Kasse zu bitten.

Warum sollten also ausgerechnet im Internet redaktionelle Angebote kostenlos sein? Bisher fürchteten Verleger, Online-Leser würden sich von ihren Internet-Portalen abwenden, sobald sie kostenpflichtig sind. Tatsächlich gibt es im Netz unendlich viele Informationen zum Nulltarif – allerdings auch viele von zweifelhafter Qualität.

Das Abendblatt dagegen wurde mehrfach für seine Lokal- und Regionalberichterstattung ausgezeichnet. Sie entspricht dem Kriterienkatalog, den „Slate“ für erfolgreiche kostenpflichtige Inhalte aufgestellt hat: Online wie auch in der gedruckten Zeitung ist der Lokal- und Regionalteil des Abendblatts unverzichtbar, zuverlässig und wunderbar gestaltet. Und leicht zu handhaben ist das neue kostenpflichtige Angebot von abendblatt.de auch.