BND-Abhörer in Slowenien aufgeflogen

LJUBLJANA/HAMBURG. In den Schlagzeilen steht ein Geheimdienst ungern. Der Bundesnachrichtendienst (BND) jedoch ist mal wieder mittendrin - in Slowenien. Dort ist der deutsche Auslandsgeheimdienst in eine innenpolitische Schlammschlacht zwischen dem rechtskonservativen Regierungschef Janez Jansa und dem Staatspräsidenten Janez Drnovsek geraten. Nach Berichten slowenischer Medien durchstöberte Jansa die Geheimdossiers des slowenischen Auslandsgeheimdienstes SOVA (Eule) nach belastendem Material gegen Drnovsek.

Dabei kam aber auch an die Öffentlichkeit: Der BND hat gemeinsam mit SOVA von Ljubljana aus Telefonate in Balkanstaaten angezapft. "Das Interesse Deutschlands lag darin, Verbindungen zur Telekommunikation in der Balkanregion zu bekommen", berichtete die slowenische Zeitung "Dnevnik" unter Berufung auf anonyme Quellen. Slowenien wiederum sei bei der Überwachung dieser Telefonleitungen auf die finanzielle Hilfe aus Deutschland angewiesen gewesen.

Für die gemeinsame Operation, die der Zeitung zufolge "nach 2000" begann, richteten SOVA und BND demnach ein gemeinsames Büro in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ein. Der "konspirative Standort" liegt ausgerechnet in einem Wohnbezirk, der "Bayerischer Hof" heißt. BND und SOVA griffen laut "Dnevnik" auf das Kabelnetz zu den südost- und mitteleuropäischen Ländern zu. Dabei hätten sie Strukturen genutzt, die noch von den Geheimdiensten des früheren Jugoslawien aufgebaut worden seien. Der BND wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Der slowenische Fernsehsender POP TV hatte berichtet, dass der SOVA auch mit dem britischen Geheimdienst MI5 zusammengearbeitet habe. Dabei sei es darum gegangen, dem bosnisch-serbischen Ex-General und Kriegsverbrecher Ratko Mladic auf die Spur zu kommen.