Flüchtlinge aus Afrika stürmen Spanien

Angriff: Sie knüppeln gegen Grenzer und überklettern Sechs-Meter-Zäune

MELILLA/SANTA CRUZ. Weder der Einsatz spanischer Soldaten noch die Erhöhung der Grenzzäune können afrikanische Flüchtlinge daran hindern, in die zu Spanien gehörende Exklave Melilla zu stürmen. Bei einem erneuten Massenansturm gelangten am Montag rund 350 Afrikaner von Marokko aus auf spanisches Gebiet. Nach Angaben der spanischen Behörden hatten etwa 700 Menschen versucht, den doppelten Grenzzaun bei der Stadt an der Küste Nordafrikas zu überklettern.

Die Hälfte von ihnen wurde von spanischen Polizisten und Soldaten zurückgeschlagen. Die an der Grenze von Melilla postierten Militärs sind bewaffnet, haben aber keine scharfe Munition. 135 Afrikaner sowie vier Polizisten und drei Soldaten wurden verletzt. Einige Flüchtlinge griffen die spanischen Grenzschützer nach Augenzeugenberichten mit Steinen und Knüppeln an. Die Afrikaner stürmten die Grenze an einer Stelle, an der die Grenzzäune bereits von drei auf sechs Meter Höhe aufgestockt worden waren. Sie rissen die Halterungen aus und brachten die Zäune zum Einsturz.

Dies war der dritte Massenansturm auf Melilla in weniger als einer Woche. Bei Ceuta, der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika, waren am Donnerstag bei einer ähnlichen Aktion fünf illegale Zuwanderer getötet worden. Spanien kommandierte daraufhin rund 500 Soldaten zur Unterstützung der Grenzbeamten ab. Die nach Melilla eingedrungenen Flüchtlinge wurden dort in einem überfüllten Lager untergebracht.

Vor den Kanarischen Inseln kamen am Wochenende 19 Afrikaner beim Versuch ums Leben, mit kleinen Booten auf spanisches Gebiet zu gelangen. Ein mit 34 Flüchtlingen besetztes Boot war vor der Insel Fuerteventura gekentert. Drei Insassen konnten nur noch tot geborgen werden. 14 wurden im Atlantischen Ozean vermißt. Bei Gran Canaria kamen zwei weitere Afrikaner bei zwei ähnlichen Bootsunglücken zu Tode.

An der Südküste des spanischen Festlands und bei den Kanaren fing die Polizei am Wochenende innerhalb von zwei Tagen 283 afrikanische "Bootsflüchtlinge" ab. Dies war der zweitgrößte Zustrom dieses Jahres. Anfang September hatten die Beamten 319 illegale Zuwanderer aus Afrika aufgegriffen.