DER SIEGER

Er wurde als blasser Kandidat verspottet. Doch Jan Peter Balkenende überzeugte durch Glaubwürdigkeit.

Den Haag. Wegen seines jungenhaften Aussehens und der runden Brillengläser wird Jan Peter Balkenende häufig mit dem Romanhelden Harry Potter verglichen. Dem kindlichen Spitznamen zum Trotz hat sich der Chef der niederländischen Christdemokraten (CDA) in den vergangenen Monaten als politisches Schwergewicht erwiesen. Bei seiner Wahl an die Parteispitze im September wurde Balkenende noch als blasser Übergangsvorsitzender verspottet. Das ist Vergangenheit: Unter dem Vorsitz des 45-Jährigen stieg die CDA nach acht Jahren in der Opposition wieder zur stärksten Partei der Niederlande auf. Der Professor für Christlich-Soziales Denken an der Vrije Universität in Amsterdam wird vermutlich nächster Regierungschef. Eine der auffälligsten Eigenschaften Balkenendes, der in Amsterdam Jura und Geschichte studierte, ist seine Unauffälligkeit. Auf der eigenen Web-Seite listet der Christdemokrat seine Hobbys auf: So besucht er in seiner Freizeit gerne Kunstgalerien und Musicals oder macht mit seiner Frau und Tochter Skiurlaub. Beobachter glauben, dass Balkenende erfolgreich das Image verkörpert, welches auch seiner Partei gut zu Gesicht steht: zuverlässig und aufrecht, aber nicht spießig. Bei ihm würden die Wähler einen Gebrauchtwagen kaufen oder ihm die Kinder anvertrauen. Der Politiker kam im südniederländischen Kapelle zur Welt, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete zunächst bei einem Radio- und Fernsehsender und stieg in Amstelveen in die Kommunalpolitik ein. 1998 zog er erstmals ins Haager Parlament ein und wurde finanzpolitischer Sprecher seiner Partei. Balkenende unterrichtet immer noch einmal pro Woche einen Philosophiekurs an der Universität von Amsterdam. Bei ihm würden die Wähler einen Gebrauchtwagen kaufen oder ihm die Kinder anvertrauen. Für den Fall einer Regierungsübernahme kündigte Balkenende "mehr Polizei" an.