Altersvorsorge

Rente leidet unter Corona: Im Westen droht eine Nullrunde

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Alessandro Peduto
Die Corona-Pandemie könnte sich in den kommenden Jahren auch auf die Rente auswirken.

Die Corona-Pandemie könnte sich in den kommenden Jahren auch auf die Rente auswirken.

Foto: Dusan Petkovic / Shutterstock/Dusan Petkovic

Die Corona-Pandemie belastet die Konjunktur – und damit auch die Renten. Sie könnten in den kommenden Jahren nur minimal erhöht werden.

Berlin. 
  • Wegen der Corona-Pandemie leidet die Wirtschaft in Deutschland derzeit stark
  • Das wirkt sich auch auf die Höhe der Rente aus
  • Sie könnte in den nächsten Jahren nur minimal erhöht werden – das müssen (zukünftige) Rentner wissen

Es ist ein Szenario eingetreten, dass sich bis vor Kurzem kaum jemand vorstellen konnte: Seit Mittwoch befindet sich Deutschland wieder im vollen Corona-Lockdown, dem zweiten in diesem Jahr. Erneut werden große Teile des öffentlichen Lebens stillgelegt, der Handel und Warenverkehr ausgerechnet im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft heruntergefahren.

Schon jetzt ist klar, dass dies die wirtschaftliche Situation verschärfen wird. Bereits Mitte des Jahres sprachen Ökonomen davon, dass sich Deutschland in der schwersten Rezession seit Kriegsende befindet. Der zweite Lockdown über den Jahreswechsel hinaus dürfte die Situation in vielen Branchen verschärfen. Und viele Menschen fragen sich bereits, welche Langzeitfolgen die Pandemie hat – zum Beispiel bei der Rente.

Rente wurde 2020 trotz Corona-Pandemie erhöht

Das zu Ende gehende Jahr 2020 lieferte in dieser Hinsicht durchaus widersprüchliche Botschaften. Denn während es aus ökonomischer Sicht für viele Menschen ein schwarzes Jahr bleibt, mit Existenznöten und millionenfacher Kurzarbeit, konnten sich die 21 Millionen Rentner in Deutschland trotz Abschwung und Corona-Krise über eine solide Erhöhung ihrer Altersbezüge freuen. Die Renten im Westen stiegen im Juli um 3,45 Prozent, im Osten waren es 4,2 Prozent.

Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch ist einfach. Denn Grundlage für die jährliche Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung des vorangegangenen Jahres. Und bekanntlich war der deutsche Arbeitsmarkt 2019 noch voll in Fahrt und die Corona-Krise in weiter Ferne. Allerdings ist bereits jetzt klar, dass die Rentner nicht auf Dauer von der Rezession verschont bleiben. Auch sie werden die Folgen spüren, wenn auch später.

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Krisen-Konjunktur: Auf Rentner im Westen kommt eine Nullrunde zu

Da für das kommende Jahr die konjunkturelle Entwicklung aus dem krisenhaften Vorjahr 2020 zur Berechnung der Rentenerhöhung herangezogen wird, müssen sich die Rentner im Westen auf eine Nullrunde einstellen. Es ist die erste seit 2010. Im Osten wird es ein mageres Plus um 0,72 Prozent geben.

Schlimmeres bleibt den Rentnern in der Rezession aber erspart. Denn Rentenkürzungen, etwa wegen einer schlechten Konjunktur im Vorjahr, sind durch eine Schutzklausel im Gesetz ausgeschlossen. Das hat die Politik so beschlossen. Ursprünglich hatte der Bund Vorkehrungen getroffen, damit die Rentner ihren Beitrag leisten, wenn die Einkommen der Zahler sinken: den sogenannten Nachholfaktor.

Renten werden bei einem Wirtschaftsaufschwung wieder steigen

Er sah zwar auch vor, dass die Renten nach einer Rezession mit sinkenden Einkommen nicht gekürzt werden. Dafür sollten die Bezüge in den Folgejahren zum Ausgleich langsamer steigen. Die große Koalition hat diesen Nachholfaktor ausgesetzt. Somit profitieren die Rentner in vollem Umfang von einem Wirtschaftsaufschwung, den Experten nach der Pandemie erwarten.

Einbußen gibt es aber in der Rentenkasse. Durch den konjunkturbedingten Rückgang der Einzahlungen in die Rentenversicherung, etwa durch verringerte Beiträge von Kurzarbeitern, klafft eine 4,7 Milliarden Euro große Lücke zwischen den Einnahmen (328,2 Milliarden) und den Ausgaben (332,9 Milliarden). Die Lücke wird durch Steuerzuschüsse des Bundes geschlossen.

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Rentenversicherung blickt trotz Corona optimistisch in die Zukunft

Die Aussicht auf einen Impfstoff und auf das Wiederanspringen der gesamten Wirtschaft lässt die Rentenversicherung aber durchaus optimistisch in die Zukunft blicken. Alexander Gunkel, Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung, macht Hoffnung auf eine Trendumkehr: Für das Jahr 2022 sei nach dem aktuellen Stand sogar wieder mit „deutlich steigenden Renten“ zu rechen.

4,8 Prozent mehr könnte es dann laut dem Rentenversicherungsbericht in den West-Bundesländern geben, in Ostdeutschland sogar 5,56. Doch bis klar ist, wie es in der Pandemie weitergeht, bleibt dies eine Prognose.

Steigt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Rentenbeitrag?

Offen ist auch, wie es mit dem Rentenbeitrag weitergeht, also mit jenem Anteil, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber monatlich je zur Hälfte an die Rentenversicherung abführen. Zwar ist eine Erhöhung in der Pandemie nicht im Gespräch. Laut Rentenversicherung bleibt der Beitragssatz sogar für weitere zwei Jahre stabil bei 18,6 Prozent.

Doch im Rentenpaket, das der Bundestag im November 2018 beschlossen hat, ist lediglich festgeschrieben, dass der Beitragssatz bis 2025 die 20-Prozent-Marke nicht überschreiten darf. Spielraum für eine gewisse Erhöhung gäbe es also.

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Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf zukünftige Rentner

Zugleich kann die Corona-Krise Folgen für künftige Rentner haben. Ob sie wegen der Pandemie erhebliche Einbußen bei den Altersbezügen hinnehmen müssen, hängt davon ab, wie lange die Wirtschaftskrise andauert. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer, die in die Arbeitslosigkeit rutschen.

Bei wenigen Wochen oder Monaten Kurzarbeit im Verlauf eines jahrzehntelangen Arbeitslebens sind die Auswirkungen auf die spätere Rentenhöhe jedoch vergleichsweise gering. Die monatlichen Einbußen dürften sich nach Schätzungen der Rentenversicherung im einstelligen Euro-Bereich bewegen. Wer dagegen trotz Pandemie weiterhin Vollzeit im Job arbeitet und wie gewohnt seine Rentenbeiträge abführt, wird wegen Corona keine Einbußen bei seinen gesetzlichen Altersbezügen haben.

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