Griechenland-Krise: Euro fällt auf tiefsten Stand seit 2006

Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Aber Hamburgs Außenhandel erwartet jetzt bessere Geschäfte im Ausland

Hamburg. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die unsichere Lage in Griechenland haben den Euro am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel zeitweilig auf 1,1864 US-Dollar. Das war der tiefste Stand seit März 2006. Anschließend erholte sich der Euro leicht, die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1915 US-Dollar fest. Im Mai 2014 hatte die Gemeinschaftswährung noch fast 1,40 Dollar gekostet. Auch an den Börsen gab es gestern Turbulenzen. Der DAX verlor drei Prozent und schloss mit 9473,16 Punkten.

Die Hamburger Groß- und Außenhändler (AGA) reagierten erfreut auf die Euro-Entwicklung. „Grundsätzlich bewertet der AGA den aktuellen Kurs positiv“, sagte Verbandspräsident Hans Fabian Kruse dem Abendblatt. „Er erleichtert den Export, weil Produkte ,made in Germany‘ im Welthandel günstiger werden und damit auch wettbewerbsfähiger.“ Die norddeutschen Händler erwarten in diesem Jahr einen deutlich geringeren Euro-Kurs. Statt wie im Vorjahr 1,30 bis 1,40 Dollar kalkulieren sie nun mit einer Spanne von 1,10 bis 1,25 Dollar. „Mit kurzfristigen positiven Jobeffekten rechnen wir nicht“, sagte Kruse. Dafür müsste der Kurs auf dem niedrigen Niveau für längere Zeit verharren und die Exporte deutlich steigen. Erst dann könne es zu Neueinstellungen kommen.

„Insgesamt dürfte der Handel von den stärkeren Exporten wegen des schwachen Euro und der günstigeren Ölpreise profitieren“, sagte auch Professor Henning Vöpel, Co-Chef des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Neben den Außenhändlern schreibt er auch Logistikern und der maritimen Wirtschaft bessere Geschäftsaussichten zu. Allerdings gebe es auch negative Effekte, weil Importe und Vorleistungen aus dem Nicht-Euro-Ausland teurer werden. Für Reisende wird der Urlaub in den USA und anderen Ländern teurer. Während die Deutschen früher in solchen Zeiten mehr für Benzin und Heizöl zahlen mussten, ändert sich derzeit wenig. Durch den Fracking-Boom gibt es ein Ölüberangebot.

Als Grund für die Euro-Schwäche nennen Experten vor allem zwei Gründe. Zum einen wird ein weiteres Öffnen der Geldschleusen der EZB erwartet. Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi wurden so verstanden, dass die Notenbank bald mit dem Kauf von Staatsanleihen im großen Stil anfangen könne. Damit steuert die Euro-Zone auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zu, während sie die US-Notenbank straffen will. „Die US-Wirtschaft wird 2015 sehr stark wachsen. Deswegen wird die Fed auch bald die Zinsen erhöhen“, sagte Vöpel. Das sorge dafür, dass Anleger aus dem Euro rausgehen und sich in Dollar engagieren. Zum anderen ist drei Wochen vor der Neuwahl in Griechenland die Debatte um einen Euro-Austritt voll entbrannt. Diese Unsicherheit drücke auf den Kurs.