Bundeswehr startet ersten Ebola-Hilfsflug

Suche nach Krankenschwestern und Ärzten für freiwilligen Einsatz in Westafrika geht weiter. 20 Millionen Euro Kosten. Rotes Kreuz will Behandlungsstation aufbauen

Berlin. Die Bundesregierung will ihre Hilfen für die von der Ebola-Epidemie betroffenen Länder in Westafrika verstärken. Angesichts der verschärften Lage müsse die Unterstützung ausgeweitet werden, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Donnerstag in Berlin. Gröhe will nun Ärzte und Pfleger, die sich freiwillig melden, in die Krisenregionen entsenden. Noch am Donnerstag startete auch eine Transportmaschine der Bundeswehr vom Flughafen Köln/Bonn zu einem ersten Ebola-Hilfsflug nach Westafrika. Das Flugzeug hat rund fünf Tonnen Material wie etwa Stiefel, Handschuhe, Mundschutze und Desinfektionsmittel an Bord.

Gesundheitsminister Gröhe, Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery und der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, appellierten an Ärzte und Krankenschwestern in Deutschland, sich für den freiwilligen Einsatz im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika zu melden. „Wir benötigen dringend freiwillige Helfer für den Aufbau und Betrieb von Krankenstationen“, sagte Gröhe. Ein solcher Einsatz sei nicht ohne Risiko. Sollte sich ein Helfer anstecken, werde er nach Deutschland zurückgebracht und versorgt, betonte Gröhe.

Das Rote Kreuz plant den Aufbau einer Behandlungsstation für Ebola-Kranke mit 100 Betten in Kenema in Sierra Leone. Darüber hinaus soll in Liberia eine mobile Klinik mit 200 Betten entstehen. Für die beiden Hospitäler würden 170 bis 180 medizinische Fachkräfte mit entsprechender abgeschlossener Ausbildung und Erfahrung sowie sehr guten Englischkenntnissen benötigt, sagte DRK-Präsident Seiters. Gesucht würden Ärzte, Hebammen, Physiotherapeuten, Krankenpfleger, Pharmazeuten, Labortechniker und Röntgenfachkräfte. Das medizinische Personal werde eine Woche auf den Einsatz vorbereitet, vor Ort gebe es dann noch ein länderspezifisches Training. Der Einsatz selbst soll vier bis sechs Wochen dauern, insgesamt müssten die Helfer acht Wochen von ihrem Arbeitgeber freigestellt werden.

Hermann Gröhe rechnet damit, dass in drei bis vier Wochen die ersten Hilfskräfte ihre Arbeit aufnehmen könnten. Insgesamt würden 20 Millionen Euro für die anlaufenden Maßnahmen veranschlagt, sagte Gröhe. Anfang der Woche hatte bereits Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen ähnlichen Hilferuf in der Bundeswehr gestartet. Bislang haben sich mehr als 2000 freiwillige Angehörige der Bundeswehr, Reservisten und Zivilisten gemeldet.

Ärztepräsident Montgomery sagte, gefragt seien nicht nur Soldaten, sondern auch die Zivilgesellschaft. Er warnte vor einer „globalen Katastrophe“, falls es nicht gelänge, den Virus zu stoppen. Die Zahl der offiziell registrierten Ebola-Todesopfer in Westafrika ist mittlerweile auf 2917 gestiegen. Insgesamt seien 6263 Fälle gemeldet, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Schätzungen von Experten aber weit höher liegen, da viele Kranke bei ihren Familien gepflegt werden und nicht in die Kliniken kommen.

In Liberia und Sierra Leone steige die Zahl der Neuerkrankten noch immer stark an. Demgegenüber scheine sich die Lage in Guinea, wo der Ebola-Ausbruch begann, zu stabilisieren, teilte die Organisation mit.