Flüchtlingskinder in Deutschland sind benachteiligt

Berlin. Unbeschwert toben, Hobbys haben, Freunde finden: Das ist für die meisten Jungen und Mädchen in Deutschland normal. Für Flüchtlingskinder sieht die Welt oft ganz anders aus. Sie haben kaum Privatsphäre und müssen bei Behördengängen oft für ihre Eltern dolmetschen: Flüchtlingskinder werden in Deutschland laut einer Studie des Uno-Kinderhilfswerks Unicef benachteiligt, ihre Belange werden oft nicht beachtet.

„Bei Flüchtlingskindern steht das Kindeswohl nicht an erster Stelle“, sagte der Autor der Studie, Thomas Berthold vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge, am Dienstag in Berlin. „Im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechts haben wir immer wieder festgestellt, dass Kinder sehr wenig gehört werden.“ Hobbys können die Kinder kaum nachgehen, weil sie in oft abgelegenen Unterkünften lebten. Privatsphäre haben sie laut der Studie dort trotzdem kaum: Sie leben meist auf engem Raum mit lauter Fremden zusammen. Das sei vor allem für Jugendliche in der Pubertät schwierig. Auch zum Arzt gehen können Flüchtlingskinder nicht ohne Weiteres: Für jede Untersuchung brauchen sie eine Genehmigung. In Deutschland leben nach Unicef-Schätzungen rund 65.000 Kinder und Jugendliche, die geduldet werden oder einen Asylantrag gestellt haben. Für die Studie wurden 30 Experten und Betroffene in persönlichen Interviews befragt.