Arbeiten im Alter soll sich lohnen

Union plädiert für den Wegfall der Sozialabgaben bei Beschäftigten über 65 Jahre

Berlin. Das Rentenpaket erreicht in dieser Woche den Bundestag. Doch wenige Tage vor der 1. Lesung des Gesetzentwurfs von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) streiten SPD und Union noch immer über die Rente mit 63, denn die Sozialdemokraten lehnen Regelungen ab, mit denen der Koalitionspartner eine Frühverrentungswelle verhindern will. Gerungen wird zudem über eine neue Forderung der Unionsfraktion: Danach soll es für Unternehmen künftig attraktiver werden, Rentner weiterhin zu beschäftigen. Auf diese Weise könnten die von Experten befürchteten negativen Folgen der Rente mit 63 für den Arbeitsmarkt abgefedert werden.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) fordert, dass Arbeitgeber, die über 65-Jährige beschäftigen, für diese künftig keine Beiträge mehr zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung zahlen müssen. Auch sollen bei einer Weiterbeschäftigung nach dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze befristete Arbeitsverträge möglich werden. Im Arbeitsrecht sollte dafür als neuer Befristungsgrund „Rentnerbeschäftigung“ eingeführt werden, schlägt der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, vor. Nur so könnten Unternehmen sicher sein, dass es nicht später zu langen und teuren Kündigungsschutzprozessen komme. Derzeit enden Arbeitsverhältnisse in der Regel mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. Bei einer regulären Weiterbeschäftigung fallen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die üblichen Sozialbeiträge an, die dann auch den Rentenanspruch erhöhen. Für Arbeitnehmer, die bereits Rente beziehen, zahlt dagegen nur der Arbeitgeber Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung, aus denen sich keine Leistungsansprüche für den Beschäftigten ergeben.

In der Wirtschaft stößt der Unions-Vorstoß auf Zustimmung. „Wir Familienunternehmer begrüßen den Vorschlag der Union, die Weiterbeschäftigung von Rentnern flexibler zu gestalten“, sagte der Präsident der Familienunternehmer, Lutz Goebel. Wer auch nach dem Renteneintritt weiterarbeiten wolle, sollte die Möglichkeit dazu haben. „Befristete Arbeitsverhältnisse und die Abschaffung der Beiträge für Renten- und Arbeitslosenversicherung für über 65-Jährige sind dringend nötige Schritte in die richtige Richtung“, so Goebel.

Doch nicht nur der SPD, sondern auch dem Arbeitnehmerflügel der Union geht Kauders Vorstoß zu weit. „Die Abschaffung der Sozialbeiträge für Rentner würde eine ungute Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt schaffen“, sagt der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, Peter Weiß. Sinnvoller sei es, dass Arbeitnehmer, die das Rentenalter schon erreicht haben, künftig stets voll sozialabgabenpflichtig blieben. Denn dann erhöhe sich ihr späterer Rentenanspruch pro Jahr um sechs Prozent.

Dass immer mehr Senioren gerne länger berufstätig bleiben wollen, belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach hat sich die Zahl der Erwerbstätigen innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Mittlerweile sind knapp fünf Prozent der über 65-Jährigen erwerbstätig. Das Potenzial der Älteren müsse „in Zukunft noch stärker von den Arbeitgebern genutzt werden, um mögliche Engpässe bei der Verfügbarkeit von Fachkräften zu vermeiden“, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Mit ihrem Vorhaben, Beschäftigten mit 45 Beitragsjahren eine abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren zu gewähren, stelle die Koalition die Weichen aber in die entgegengesetzte Richtung.