Sorge um Europa prägt „Woche der Brüderlichkeit“

Kiel. Zum Auftakt der bundesweiten christlich-jüdischen Woche der Brüderlichkeit“ hat Schleswig Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) vor wieder aufkeimendem Rechtsextremismus in Europa gewarnt. „Es zeigt sich wieder das Ungeheuer, das Faschismus heißt, das Ungeheuer, das Antisemitismus heißt“, sagte Albig am Sonntag im Kieler Opernhaus und verwies auf die Ukraine und Ungarn, aber auch Frankreich und Deutschland.

Radikale und Rechtspopulisten in der Ukraine ließen die dortigen Juden um ihre Sicherheit fürchten, kritisierte Albig. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Budapest habe Sorge, dass Ungarn ein Land bleibe, in dem Juden weiterhin leben könnten. „In Frankreich werden antisemitische Äußerungen scheinbar wieder gesellschaftsfähig“, fuhr Albig fort, ohne Näheres auszuführen. In Deutschland gebe es immer wieder Angriffe auf jüdische Einrichtungen, antisemitische Schmierereien und Ausfälle gegen jüdische Mitbürger. „Dem müssen wir auch in Zukunft mutig und bestimmt entgegentreten, mit allen einem Rechtsstaat zur Verfügung stehenden Mitteln.“

Der ungarische Autor und Holocaust-Überlebende György Konrad, 80, wurde bei dem Festakt vor 800 Gästen für seine Verdienste um die christliche-jüdische Verständigung und als Verfechter Europas mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Sie erinnert an die Philosophen und Pädagogen Martin Buber und Franz Rosenzweig. Konrad ermutigte den Westen, im Krim-Konflikt auf Sanktionen gegen die russischen Oligarchen zu setzen und den Geist der Freiheit zu stärken. Auf der Krim zeige sich der für Russland typische Imperialismus. In der Ukraine habe sich dagegen Nationalismus den Weg gebahnt. Das sofortige Gesetz des Parlaments in Kiew, die Freiheit der Minderheitensprachen zu begrenzen, „war keine kluge Entscheidung, sondern es war eine Freiheitsbegrenzung“.