DDR verkaufte auch Blut von Häftlingen

Berlin. Geld für Blut: In der DDR wurden auch Häftlinge zum Blutspenden gezwungen, um dem klammen Staat durch den Verkauf der Präparate Devisen zu beschaffen. Das berichtet am Dienstagabend das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ und beruft sich dabei auf eine neue, noch unveröffentlichte Studie der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) habe diese Blutspenden über einen Schweizer Zwischenhändler aufgekauft. Gegenüber „Report“ bestätigte das BRK diesen Bezug von Blutpräparaten in den 80er-Jahren. Zu Einzelheiten wollte sich eine BRK-Sprecherin jedoch zunächst nicht dazu äußern.

Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen bestätigte indes, dass es in den Haftanstalten Gräfentonna (Thüringen) und Waldheim (Sachsen) zu derartigen Blutspenden gekommen war. Eine umfassende Studie über Häftlingsarbeit in der DDR und den darauf aufbauenden Ost-West-Handel wird kommenden Montag unter dem Titel „Knastware für den Klassenfeind“ veröffentlicht.

Gegenüber dem TV-Magazin räumte der damalige Vizechef des Bezirksinstituts für Blutspende- und Transfusionswesen Erfurt, Rudolf Uhlig, ein: „Wir haben dort Blutspendetermine durchgeführt.“ Jedoch hätten nicht die Angestellten der Haftanstalt Gräfentonna gespendet, sondern nur die Häftlinge. Aus Stasi-Unterlagen geht zudem hervor, dass dies nicht freiwillig geschah. Über einen Schweizer Unterhändler gelangten die Blutbeutel schließlich nach Bayern.

„Wir bedauern zutiefst, dass es unter einer anderen Führung des BRK diese Vorkommnisse in den 80er-Jahren gegeben hat“, bekundete das Bayerische Rote Kreuz. Heute sei aber nicht mehr nachzuvollziehen, ob man damals davon gewusst habe, dass das Blut von Häftlingen stammt. Der Sprecher der sechs deutschen regionalen Rot-Kreuz-Blutspendedienste, Friedrich-Ernst Düppe, sagte, neben dem BRK habe kein weiterer Regionaldienst die DDR-Blutpräparate bezogen.