Fachkräfte-Flop für Deutschland: Nur 7000 beantragen Blue Card

Arbeitsagentur-Chef Weise fordert Lockerung der Anforderungen

Nürnberg. Sie sollte eigentlich Ärzte und Informatiker nach Deutschland locken und hierzulande den Fachkräftemangel lindern. Doch bislang ist die 2012 eingeführte Blue Card ein Flop. Ihre Bezeichnung erinnert an die Green Card, eine zeitlich unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung, wie die USA sie ausstellen. Die Blue Card hat aber nur wenige Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland gelockt. Wird jetzt nachgebessert?

Sie war im Juli 2012 eingeführt worden. Doch seitdem haben nur etwa 7000 Menschen mit einer Blue Card tatsächlich eine Stelle angetreten, wie der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, der Nachrichtenagentur dpa sagte. Und: „4000 davon waren aber vorher schon hier.“ Weise hält es deshalb für sinnvoll, manche der hohen Anforderungen für den Erhalt einer Blue Card schrittweise zu lockern.

„Es gibt ein paar Hürden, wo man sagt, die sollen bestehen bleiben. Aber scheinbar spricht nichts dagegen, die Gehaltsgrenze langsam runterzusetzen“, erläuterte der BA-Chef. An die ideale Einstiegshöhe müsse man sich „herantasten“. Derzeit müssen Bewerber ein Bruttojahresgehalt von mindestens 46.400 Euro nachweisen, in besonders nachgefragten Mangelberufen reichten aber knapp 36.200 Euro aus. Gegen die zu schnelle Einführung niedriger Eintrittshürden spricht aus Weises Sicht die noch immer große Zahl qualifizierter Arbeitsloser in Deutschland. Bei ihnen sei häufig nicht die Ausbildung das Problem, sondern die mangelnde Bereitschaft, in Regionen umzuziehen, in denen es ein besseres Arbeitsplatzangebot gibt.

Generell jedoch sei die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte für Deutschland unumgänglich. Selbst die starke Zuwanderung im Jahr 2013 reiche nicht aus, um die in den kommenden Jahren sinkende Zahl inländischer Arbeitskräfte auszugleichen. Zudem gelte: Mit der Besetzung von qualifizierten Arbeitsplätzen mit Zuwanderern entstünden oft auch neue Jobs für weniger qualifizierte Arbeitslose.

Problematisch sei das noch nicht rechtskräftige Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen, wonach EU-Bürgern ohne Arbeit, die sich schon länger in Deutschland aufhalten, Hartz-IV-Leistungen zustehen. Viele weniger gut ausgebildete Menschen aus ärmeren EU-Ländern könnte es dadurch nach Deutschland ziehen, sagte Weise. „Würde sich dies bewahrheiten, ist das System der Grundsicherung in Gefahr und müsste von der Politik überprüft werden.“