Von der Leyen meidet Drohnen

Verteidigungsministerin widmet sich in Afghanistan ganz den Soldaten

Masar-i-Scharif. Der Bogen ist groß, den Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen um die Drohne macht. Im Hangar des Einsatzgeschwaders von Masar-i-Scharif klettert sie zwar in den Sanitätshubschrauber NH-90 und in den Transporthubschrauber CH-53. Sie lässt sich auch den Kampfhubschrauber „Tiger“ sehr genau erklären. Das unbemannte Flugzeug israelischer Bauart vom Typ „Heron 1“ lässt sie aber einfach links liegen.

Die Piloten der Aufklärungsdrohne fangen sie bei ihrem Rundgang in sicherer Entfernung von dem achteinhalb Meter langen Fluggerät ab und führen sie direkt in den Container, von dem aus die „Heron“ gesteuert wird. Dieser Teil des Programms ist streng geheim. Journalisten müssen draußen bleiben. Bilder von dem Flugobjekt und der Ministerin gibt es damit nicht und auch kein öffentliches Gespräch von der Leyens mit den Soldaten darüber.

Damit wird ein Thema ausgespart, das von der Leyens Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) beinahe noch vor der Bundestagswahl das Amt gekostet hätte. Wäre der Skandal um die gescheiterte Beschaffung der Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ nicht gewesen, wäre von der Leyen in der neuen Regierung wohl auch nicht Verteidigungsministerin geworden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte sehr wahrscheinlich dem Wunsch de Maizières entsprochen, im Amt zu bleiben.

Das Bild mit der Drohne ist aber nicht das Einzige, das von der Leyen auf dieser Reise vermeidet. Beim Aussteigen aus dem CH-53-Hubschrauber drückt sie sich an die Bordwand, um nicht in die Nähe der am Ausgang installierten Bordkanone zu kommen. Fotos mit Helm oder Schutzweste gibt es von ihr ohnehin nicht. Eine Militarisierung ihres Images will die Ministerin ganz offensichtlich vermeiden. Ihre Vorgänger hatten da keine Berührungsängste. Von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt es Fotos mit Artilleriegeschützen oder im Bundeswehr-T-Shirt; de Maizière setzte sich für die Fotografen in ein Kampfflugzeug.

Mit von der Leyen wird es so etwas nicht geben, das wird bei diesem Besuch klar. Bei der Drohne handelt es sich allerdings nicht um schweres Kriegsgerät, sondern um ein Aufklärungsflugzeug, das vor allem dem Schutz der eigenen Soldaten dient. Und um den zu gewährleisten, will die Ministerin keine Materialkosten scheuen, wie sie in Masar-i-Scharif sagt. Es ist ihr erstes konkretes Versprechen an die Soldaten.

Ihre Distanz zur Drohne erklärt sie mit den Worten: „Das Wichtigste ist mir hier, die Truppe zu besuchen. Ich finde, die Menschen, die hier arbeiten, die hier ihren Dienst tun, die müssen im Mittelpunkt stehen.“

Dennoch muss sich die Ministerium auch mit dem Thema Drohnen sehr bald befassen. Nach den Weihnachtstagen wird sie Vorschläge auf den Tisch bekommen, in welches Flugzeug die Aufklärungstechnik der Skandal-Drohne „Euro Hawk“ eingebaut werden soll. De Maizière hatte dafür Ende des Jahres eine Deadline gesetzt. Die neue Ministerin wird auch entscheiden müssen, was mit dem ausgemusterten „Euro Hawk“-Prototypen werden soll.