Deutscher im Jemen erschossen – war die Botschafterin das Ziel?

Sanaa. Bei einem Überfall in Jemens Hauptstadt Sanaa ist nach Angaben aus lokalen Sicherheitskreisen ein deutscher Botschaftsmitarbeiter erschossen worden. Er soll als Leibwächter für Diplomaten gearbeitet haben. Medien des Landes berichteten, er habe sich am Sonntag gegen eine Entführung gewehrt. Unklar blieb, ob die Täter die deutsche Botschafterin Carola Müller-Holtkemper verschleppen wollten.

Zunächst hatte es aus westlichen Diplomatenkreisen geheißen, die Botschafterin sei nur knapp einer Entführung entgangen. Das jemenitische Außenministerium dementierte dies am Sonntagabend. Müller-Holtkemper befinde sich gar nicht im Jemen, zitierte die Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher. Das Auswärtige Amt und die Bundespolizei konnten den Fall zunächst nicht bestätigen. „Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind intensiv um Aufklärung des Sachverhalts bemüht“, sagte eine Sprecherin.

Die Angreifer wollten den Deutschen jemenitischen Medienberichten zufolge zunächst vor einem Einkaufszentrum im südlichen Stadtteil Hadda entführen. Als er sich gewehrt habe, sei er getötet worden. Ein Korrespondent des Fernsehsenders al-Arabija sagte, das eigentliche Ziel des Angriffs sei die deutsche Botschafterin gewesen. Sie sei aber davongekommen. Botschaft und Einkaufszentrum befinden sich im Diplomatenviertel der Stadt.

Die „Yemen Times“ zitierte einen Mitarbeiter des Dschandul-Einkaufszentrums und Augenzeugen. Demnach sollen drei Bewaffnete den Deutschen am Eingang des Supermarktes getötet haben. Nach der Tat seien sie in einem schwarzen Fahrzeug geflüchtet.

Carola Müller-Holtkemper hatte erst am 30. September offiziell ihr Amt angetreten. Die 57-Jährige war zuvor Botschafterin in Albanien. Als Botschaftsmitarbeiterin hatte sie in Jordanien, Ägypten und Marokko gearbeitet.

Die Deutsche Botschaft in Sanaa war erst im August wegen einer akuten Terrorwarnung zwei Wochen geschlossen – auch andere westliche Vertretungen schlossen ihre Pforten. Im Jemen ist die Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) aktiv. Westliche Geheimdienste halten sie für einen der gefährlichsten Ableger des Terrornetzwerks.