Unbeirrt, auch vom Scheitern

Vera Lengsfeld bleibt unberechenbar. Zuletzt fiel die 61-Jährige auf, weil sie öffentlich die europakritische Alternative für Deutschland (AfD) in Schutz nahm. Das kam vor allem bei der CDU, der sie seit 1996 angehört, nicht gut an. Sie habe die AfD nur „um der Fairness willen gegen unseriöse Anschuldigungen“ verteidigen wollen, sagte die Bürgerrechtlerin. AfD-Chef Bernd Lucke sprach freilich von ausführlicheren Kontakten. Als eines der prägenden Gesichter der DDR-Opposition war Lengsfeld nach der Wende für die ostdeutschen Grünen in den Bundestag eingezogen. Sechs Jahre später wechselte sie zur CDU, weil sie – wie sie damals sagte – eine rot-rot-grüne Koalition befürchtete. Ihr Mandat behielt sie, kam 1998 und 2002 über die Landesliste der CDU in Thüringen erneut in den Bundestag. Ein drittes Mal schaffte sie es nicht. 2009 versuchte sie es deshalb als Direktkandidatin im traditionell linken Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Von damals ist vor allem ihr Dekolletéplakat in Erinnerung geblieben, das sie neben Angela Merkel mit tiefem Ausschnitt („Wir haben mehr zu bieten“) zeigt. Es war mit der Kanzlerin nicht abgesprochen und brachte Lengsfeld viel Häme ein, aber vor allem kein Mandat. Wer Lengsfeld kennenlernt, erlebt eine Frau, die sich weder von Kritik noch vom Scheitern beirren lässt. Es ist die Unerschütterlichkeit eines Menschen, der seine politische Heimat vor langer Zeit verloren hat.