Friedrich will Spähvorwürfen in den USA auf Grund gehen

Berlin. Mit einem Kurzbesuch in Washington will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) den Spähvorwürfen auf den Grund gehen – und dabei auch deutlich werden. „Unter Freunden muss man Klartext reden können“, sagte er „Spiegel Online“ vor seiner Abreise am Donnerstagmittag. Am heutigen Freitag wollte er US-Justizminister Eric Holder und die für Terrorabwehr zuständige Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Lisa Monaco, treffen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach von einer „schwierigen Aufgabe“ für ihren Kabinettskollegen. „Ich glaube nicht, dass mit dieser Reise die Aufklärung beendet ist.“ Friedrich sagte, flächendeckende Überwachung sei nicht verhältnismäßig. Er beklagte aber auch mangelnde Fairness gegenüber den USA in der Debatte. „Es ärgert mich, dass man sofort und ohne genaue Kenntnis jede Verdächtigung gegen unseren amerikanischen Verbündeten in die Welt setzen kann.“ Das sei nicht fair. „Ohne die Hinweise der USA und die gute Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten hätten wir höchstwahrscheinlich Terroranschläge in Deutschland nicht verhindern können.“

Der US-Geheimdienst NSA soll im großen Stil deutsche Bürger und Einrichtungen ausgespäht haben. Auch Wochen nach den ersten Enthüllungen darüber wartet die Bundesregierung noch immer auf Aufklärung aus Washington. Wie viel die Amerikaner nun bei Friedrichs Besuch preisgeben, ist fraglich. Unklar ist auch, was davon an die Öffentlichkeit gelangen wird. Friedrich will sich noch am Freitag wieder auf den Rückweg nach Deutschland machen. Nach seiner Rückkehr will er laut Ministerium den Innenausschuss des Bundestages und das Parlamentarische Kontrollgremium informieren.