Türkische Gemeinde will mehr Migranten in Behörden

Berlin. Die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert einen höheren Migrantenanteil im öffentlichen Dienst. Der Verband legte dazu am Montag in Berlin einen Gesetzentwurf vor. Es gehe nicht um eine starre Quote, sagte der Bundesvorsitzende Kenan Kolat. Behörden sollten sich stattdessen selbst bestimmte Ziele setzen. Migranten sollen auf dem Arbeitsmarkt insgesamt besser gefördert und Einbürgerungen erleichtert werden. Kolat will den Entwurf an diesem Dienstag beim Integrationsgipfel an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben ausländische Wurzeln. Die Türkische Gemeinde beklagt, Migranten hätten noch nicht genug Möglichkeiten, sich gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Unter anderem gebe es zu wenige Menschen aus Zuwandererfamilien in Amtsstuben oder auf Polizeiwachen. Nach und nach soll diese Zahl steigen. Eine feste Quote nennt der Verband dafür allerdings nicht. Gefordert wird unter anderem eine Lockerung des Beamtenrechts: Für Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft soll es einfacher werden, verbeamtet zu werden. In größeren Dienststellen und auch in größeren Firmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern sollen sich spezielle Beauftragte um die Belange von Migranten kümmern und dafür sorgen, dass sie besser eingegliedert werden. Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen im Umfang von mehr als 100.000 Euro sollen nach dem Willen der Türkischen Gemeinde jene Betriebe bevorzugt werden, die Migranten ausbilden, beschäftigen und fördern.

Außerdem sollen Zuwanderer, die vor der Einreise Deutsch lernen, schneller Aussicht auf Aufenthaltsgenehmigung und Einbürgerung bekommen. Der Optionszwang soll abgeschafft und die doppelte Staatsbürgerschaft zugelassen werden. Bislang müssen in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern spätestens bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres entscheiden, ob sie die deutsche oder die Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes ihrer Eltern annehmen.