Brüderle freut sich über Merkels Wahlkampfunterstützung

Hamburg. Er würde auch einen Pinot Grigio für fünf Euro vom Discounter kaufen - da habe er keine Vorurteile. Als Pfälzer schätzt Rainer Brüderle den Wein und lässt selten eine Gelegenheit aus, zu erwähnen, dass auch er gerne trinkt. Er bevorzuge Weißwein. "Davon kann man mehr trinken." Im Rahmen der "Zeit"-Matinee führte es den FDP-Spitzenkandidaten am Sonntagvormittag in die eher weinarme Gegend des Landes. Dass er sich aus diesem Grund in Hamburg nicht wohlfühle, bestritt Brüderle. "Ich bewundere an Hamburg seine Weltoffenheit. Es ist eine sehr tolerante und liberale Stadt." Auch wenn man Letzteres nicht immer am Wahlergebnis sehen könne.

Das soll sich in diesem Jahr ändern. Als selbst ernannte "Sturmspitze" soll der 67-Jährige im Bundestagswahlkampf neben Parteichef Philipp Rösler "vorne die Tore schießen" und den Liberalen den Wiedereinzug in den Bundestag sichern. Wie es sich für einen Spitzenkandidaten gehört, vergisst Brüderle auch an keiner Stelle zu erwähnen, wie wichtig eine liberale Partei für den Erfolg Deutschlands sei. "Kein Land in der EU steht besser da." Die Politik könne daher nicht alles falsch gemacht haben. Damit es auch in Zukunft so bleibe, sei eine Regierungsbeteiligung der FDP unerlässlich. "Wir machen Schwarz heller", sagt Brüderle. Gerade angesichts der Euro-Politik sei die Standhaftigkeit der FDP von großer Bedeutung. "Ohne FDP hätten wir die Vergemeinschaftung von Schulden in der EU bereits", mahnt der Spitzenkandidat und warnt davor, die Euro-Krise vorzeitig als beendet zu erklären.

Angesichts der aktuell vorhergesagten vier bis fünf Prozentpunkte wird es für die Liberalen jedoch eine Zitterpartie. Brüderle zeigt sich unbeeindruckt und mahnt zur Ruhe. "Wir lassen uns nicht verrückt machen." Die FDP habe nie eine große Stammwählerschaft gehabt, sondern sich ihren Erfolg immer mit eigenen Inhalten erkämpfen müssen. Dankbar zeigte er sich dennoch für die derzeitige Wahlkampfunterstützung durch die Kanzlerin. Ob Homo-Ehe, Mindestlohn oder NPD-Verbot - Angela Merkel scheint viele ihrer ehemaligen Positionen nach und nach abzuräumen. "Je mehr die Union nach links geht, desto mehr Platz bleibt in der Mitte", sagt Brüderle und lacht wie ein Spitzbube. "Wenn alle nach links gehen, ist für uns alles frei."