Außenstelle

Hamburgs kleines Entwicklungsministerium

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Christian Unger

Mit einer norddeutschen Außenstelle will die Bundesregierung ihre Entwicklungspolitik lokal stärken - und auch Geld sparen.

Hamburg. Ein älterer Mann mit Sakko ist noch nicht überzeugt. Ihm fehlen noch Argumente, mit denen er zurückgehen kann in seine Gemeinde. Wieso sollten Restaurants nun unbedingt mit fair gehandelten Lebensmitteln kochen? "Schließlich kostet es doch mehr und bringt keine neuen Gäste", sagt der Mann. Noch einmal beginnt eine Diskussion der 20 Teilnehmer in dem Raum, im vierten Stock des GIGA-Zentrums direkt an der Alster. Angestellte der Kommunen sind gekommen, auch Mitarbeiter von Entwicklungshilfegruppen. Fairer Handel bringe dem Gastronomen sehr wohl mehr Kunden, denn viele legen Wert auf gerecht gehandelte Waren, sagt eine Frau. Man könne außerdem mehr Geld für die Gerichte verlangen. Und Vereine und Gruppen würden Werbung machen für das Restaurant, kostenlos.

Den fairen Handel in der Gastronomie nach vorne bringen, heißt der Workshop an diesem Vormittag. In einem anderen diskutieren Teilnehmer, wie fair gehandelte Produkte in Schulkantinen eingeführt werden können. "Das ist eigentlich typisch für unsere Arbeit", sagt Kai-Oliver Farr. Er ist Projektleiter von "Engagement Global" in Norddeutschland. Die Tochtergesellschaft des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) soll politisches Engagement von Bürgern aber auch Kommunen und Unternehmen vernetzen. Sie soll "Ansprechpartner für alle sein, die sich in Norddeutschland für eine gerechtere Welt engagieren wollen", heißt es. Es gibt bereits Außenstellen von "Engagement Global" in Berlin, Stuttgart oder Düsseldorf. Gestern wurde die norddeutsche Zentrale in der Osterstraße in Eimsbüttel eröffnet, abends fand im Rathaus ein Senatsempfang mit Staatsrat Wolfgang Schmidt statt.

"Entwicklungshilfe beginnt im Lokalen", sagt Heidi Thiemann, Koordinatorin der verschiedenen Außenstellen. Was bedeutet es für die südlichen Länder, wenn wir in Deutschland so viel Fleisch essen? Wie gehen die Länder im Süden mit dem Klimawandel um? "Dafür sprechen wir mit Schulen, mit Unternehmen und den Medien, um Projekte gemeinsam besser zu koordinieren." In der Zentrale an der Osterstraße arbeiten künftig drei Mitarbeiter.

Die Einrichtung der Servicestellen durch das Bundesministerium ist auch ein Ergebnis der Politik von Minister Dirk Niebel (FDP). Er versucht mit verschiedenen Reformen, die Entwicklungszusammenarbeit noch schlagkräftiger, sparsamer und leichter steuerbar zu machen. Bei "Engagement Global" gehe es auch darum, Doppelstrukturen zu vermeiden, effizienter zu arbeiten und am Ende auch Geld einzusparen, sagt Thiemann. Bereits vor einigen Jahren ließ Niebel drei große Entwicklungshilfeorganisationen verschmelzen. Damals gab es internationalen Druck, da in Deutschland mehr als 30 Organisationen in dem Bereich aktiv waren. Auch der Verband deutscher Nichtregierungsorganisationen begrüßt die Bündelung verschiedener Beratungen in einer Hand. Der Vorsitzende Ulrich Post kritisierte zu Beginn des Jahres jedoch, dass mit der Servicestelle eine "weitere Verstaatlichung" der Entwicklungszusammenarbeit zu beobachten sei. Post bezweifelte, ob dies der "richtige Weg" sei. Bürgerschaftliches Engagement könne nicht staatlich gelenkt oder kontrolliert werden.

Projektleiter Farr verweist auf die ganz unterschiedlichen Interessen der norddeutschen Bundesländer. In Hamburg sei ein Schwerpunkt der faire Handel. "Das liegt vor allem daran, dass Hamburg so eine wichtige Wirtschaftsmetropole ist." In Mecklenburg-Vorpommern setze sich die Servicestelle stärker mit dem Thema Migration auseinander. Auch interkulturelle Seminare mit Bundeswehrsoldaten hat Farr schon angeboten. Als Vorbereitung auf Einsätze in Kriegen wie in Afghanistan.

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