Piraten-Politikerin

Julia Schramm steht zu ihrem Internet-Buch „Klick Mich”

Kollegen verteidigen Vorgehen gegen Downloads. Verlag hatte kostenlose Version sperren lasen. Piraten fordern Reform des Urheberrechts.

Berlin. Die Piraten-Politikerin Julia Schramm ist von den negativen Reaktionen auf ihr Buch „Klick mich“ nicht überrascht. Das habe sie erwartet, sagte sie der Zeitung „Die Welt“. „Die Entstehung und die Vermarktung des Buches ist für viele problematisch“, räumte Schramm ein.

Der Knaus Verlag, der Schramms Buch herausbringt, hatte eine kostenlose Kopie des Buches im Internet sperren lassen und wird auch weiterhin gegen illegale Kopien vorgehen, wie der Verleger bestätigte. Privatnutzer sollen zunächst auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden und erst bei wiederholten Verstößen Post vom Anwalt bekommen. Schramm, die im Vorstand der Piratenpartei sitzt, hält das für einen „konstruktiven Vorschlag, wie es in der festgefahrenen Urheberrechtsdebatte weitergehen kann“, sagte sie der „Welt“.

Schramm bekommt unterdessen im Urheberrechts-Streit um ihr Buch Rückendeckung von zwei Vorstandskollegen. Schramms Verlag wehrt sich gegen illegal angebotene Downloads ihres Buches „Klick Mich“, obwohl die Piraten eigentlich ein Recht auf kostenlose Privatkopien fordern. Das hatte für Kritik an der Autorin gesorgt.

Der Ruf nach einer Reform des Urheberrechts sei die politische Forderung der Partei, sagte Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader dem Sender N24. „Das andere ist die Realität.“ Es sei legitim, dass Schramm von der geltenden Rechtslage profitiere. „Wir verlangen, dass sich politisch etwas ändert, wir verlangen nicht von dem einzelnen Künstler, dass er jetzt auf seine Einnahmen verzichtet“, sagte Ponader.

Ähnlich argumentierte Klaus Peukert, der wie Schramm Beisitzer im Vorstand der Partei ist. Er kritisierte die „digitale Klassenkeile“, die Schramm aufgrund ihres Buches erlebe. Die Autorin müsse sich nach den geltenden gesetzlichen Regeln richten, schrieb Peukert in einem Blogeintrag. Diese Regeln fänden die Piraten zwar „doof“, könnten sie aber nicht sofort ändern.

Verlag will Nutzer vorwarnen

Schramm unterstützt das Vorgehen ihres Verlages gegen illegale Kopien ihres Buches, wie sie der Zeitung „Die Welt“ sagte. Eine Kopie war bereits kurz nach der Buchveröffentlichung am Montag im Internet aufgetaucht, jeder konnte sie herunterladen. Schramms Verlag ließ die Kopie schnell sperren. Verleger Wolfgang Ferchl sagte, der Knaus Verlag werde auch weiterhin gegen illegale Kopien des Buches vorgehen.

Privatnutzer sollten jedoch zunächst auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden und erst bei wiederholten Verstößen Post vom Anwalt bekommen. Diese Version einer „gelben Karte“ unterstützt auch Schramm. Wie mögliche wiederholte Verstöße erfasst werden sollen, erläuterte sie nicht.

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