Skandal gefährdet Bereitschaft zur Organspende

69 Prozent glauben, dass man in Deutschland mit viel Geld Leber oder Niere kaufen kann

Berlin. Die Bereitschaft zur Organspende ist angesichts des Transplantationsskandals nach einer Umfrage stark gesunken. 45 Prozent der Bundesbürger haben Bedenken, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. 42 Prozent teilen die Bedenken nicht, wie aus der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervorgeht. 36 Prozent haben derzeit nicht vor, ihre Bereitschaft zur Organspende zu bekunden. Nur 30 Prozent haben dies vor.

In Befragungen anderer Institute vor einigen Monaten hatten noch rund zwei Drittel angegeben, dass sie sich prinzipiell vorstellen könnten, ein Organ zu spenden. Nur rund ein Fünftel (21 Prozent) wollte laut einer Forsa-Umfrage vom März keine Organentnahme nach dem Tod.

In Göttingen und Regensburg wurden Patientendaten manipuliert. Nach Bekanntwerden des Falls entbrannte eine Debatte über die Organvergabe insgesamt. Nun sollen Kontrollen und Transparenz Manipulationen verhindern und Vertrauen stärken. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, kündigte eine rasche Umsetzung der vereinbarten strengeren Regeln an.

Vor dem Hintergrund der bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten glauben 69 Prozent der Bundesbürger, dass man in Deutschland mit viel Geld ein Spenderorgan wie Leber, Niere, Lunge oder Herz legal kaufen kann oder dies schneller bekommt.

Günter Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, sieht dagegen keine negativen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft in Deutschland. "Es gibt keinen dramatischen Abfall bei den Organspendezahlen", sagte er in der ARD. Gleichzeitig warnte er vor einer Verallgemeinerung der Vorfälle in Göttingen und Regensburg. "Wir haben keinen Organspendeskandal. Wir haben den Skandal eines einzelnen Menschen, der an zwei Kliniken agiert hat."

Im vergangenen Jahr starben 1104 Patienten in Deutschland, während sie auf Organe warteten. Nur 1315 verstorbenen Spendern konnten - meist mehrere - Organe entnommen werden. Um die Spendenbereitschaft zu verbessern, starten die Kassen demnächst eine groß angelegte Werbekampagne und schreiben ihre Versicherten an. Die Aktion geht auf neue gesetzliche Regelungen zurück, die vor geraumer Zeit beschlossen wurden.