KBV kündigt positive Ergebnisse an

Ärzte verdienen mehr als erwartet

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Britta Hesener und Barbara Möller

Die rund 140 000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland haben nach der Honorarreform im ersten Quartal dieses Jahres im Durchschnitt rund neun Prozent mehr Geld als im Vorjahr bekommen.

Hamburg. Immer wieder haben sich Deutschlands Ärzte beschwert: Sie seien die Verlierer der am 1. Januar in Kraft getretenen Honorarreform. Sie müssten um ihre Existenz bangen. Tausende schlossen aus Protest ihre Praxen. Jetzt wurde allerdings bekannt: Die Ärzte haben im ersten Quartal nicht weniger, sondern mehr verdient. "Die absoluten Zahlen sind besser ausgefallen als erwartet", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. Die genauen Beträge will die KBV erst heute vorlegen.

"Wir werden mehr Geld bekommen durch die Honorarreform, aber damit sind die Defizite der letzten Jahre noch nicht ausgeglichen", sagte dazu Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, dem Abendblatt. Die Honorare seien zuletzt nicht so stark gestiegen wie das Bruttoinlandsprodukt, erklärte Montgomery. Zudem hätten die Ärzte erhebliche Kosten gehabt. Viele litten unter Gewinneinbrüchen.

In Montgomerys Augen habe die Politik bei der Honorarreform einen entscheidenden Fehler gemacht: "Man hat die vielen unterschiedlichen lokalen Verteilungssysteme abgeschafft und ein bundeseinheitliches geschaffen." Viele, die in den lokalen Verteilungssystemen gut davongekommen seien, gehörten nun zu den Verlierern der Reform.

Mit der Reform sollte das Gesamthonorar der rund 140 000 Praxisärzte zwischen 2007 und 2009 um zehn Prozent auf 30,8 Milliarden Euro steigen. Insgesamt sollten drei Milliarden Euro aus Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten auf alle Ärzte verteilt werden. Dennoch klagten einige über Verluste. Der Grund dafür liegt in der neuen Art der Abrechnung. Unter anderem bekommen Ärzte seit Jahresbeginn Pauschalen pro Patient. Aus finanzieller Sicht spielt es also keine Rolle mehr, wie oft sie einen Patienten pro Quartal behandeln. Vor der Reform variierte das Honorar mit der Art der Behandlung und richtete sich danach, wie gut oder schlecht eine Krankenkasse finanziell dastand. Entsprechend groß war das Gefälle zwischen den Kassen in bevölkerungs- und einkommensstarken Regionen wie Bayern und solchen wie Mecklenburg-Vorpommern mit vielen Arbeitslosen.

Trotz der Ankündigung der KBV teilt der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) die Kritik der Ärzte. "Der positive Gesamteindruck kann über eines nicht hinwegtäuschen: Die intransparente Honorarreform hat innerhalb der Ärzteschaft zu gravierenden Verwerfungen geführt", sagte er dem Abendblatt. Einzelne Arztgruppen und einzelne Ärzte seien erheblich benachteiligt. Dies gelte vor allem für die südlichen Länder. "Hier muss es Änderungen in der Vergütungsstruktur geben", forderte Söder.

Was die bayerischen Ärzte betrifft, sind diese Befürchtungen allerdings definitiv unbegründet. In der vergangenen Woche erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Bayern, dass die ersten Analysen der Abrechnungsdaten für das erste Quartal 2009 ergeben hätten, dass es auch in Bayern insgesamt mehr Gewinner als Verlierer durch die Reform gebe.

Auf gesamtdeutscher Ebene zeichnet sich jetzt ein ähnliches Bild ab. "Die Klagen der Ärzte waren in den allermeisten Fällen völlig haltlos", sagte die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Sie fordert die niedergelassenen Ärzte auf, ihre Proteste sofort zu beenden. Dennoch kündigte der Präsident des Verbandes Freie Ärzteschaft, Martin Grauduszus, weitere regionale Protestaktionen vor der Bundestagswahl an.