Dirk Notheis

EnBW-Deal kostet Morgan-Stanley-Deutschlandchef den Job

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Der EnBW-Deal hat Baden-Württemberg 4,7 Milliarden Euro und Notheis nun den Job gekostet. Er soll dazu beigetragen haben, dass das Land zu viel zahlte.

Frankfurt/Stuttgart. Morgan-Stanley-Deutschlandchef Dirk Notheis hat die Konsequenzen aus der Kritik an seiner Rolle beim EnBW-Deal gezogen und seinen Posten endgültig aufgegeben. „Dirk Notheis ist nicht länger Mitglied des Vorstands“, sagte eine Sprecherin der Bank am Dienstag in Frankfurt. In Kreisen der Finanzaufsicht Bafin wurden Informationen von „faz.net“ bestätigt, dass Notheis die Bank bereits am 6. Juli verlassen hatte. Auch die „Stuttgarter Zeitung“ (Mittwoch) berichtete über Notheis’ Abgang.

Der Investmentbanker soll beim Rückkauf von EnBW-Anteilen durch das Land Baden-Württemberg Ende 2010 den damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) stark beeinflusst haben. Die aktuelle grün-rote Landesregierung wirft Mappus vor, er habe mit 4,7 Milliarden Euro viel zu viel für die 45 Prozent am Karlsruher Energieversorger gezahlt. Der Staatsgerichtshof hatte das Einfädeln des Geschäfts am Parlament vorbei als verfassungswidrig gerügt. Das Land klagt vor der internationalen Handelskammer auf Rückerstattung mehrerer hundert Millionen Euro vom französischen Energiekonzern EDF.

Notheis hatte sich Ende Juni zunächst in eine unbefristete Auszeit verabschiedet. Mittlerweile laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter anderem gegen ihn und Mappus wegen des EnBW-Deals. Die Anklagebehörde wirft Mappus Untreue vor, Notheis Beihilfe zur Untreue. Mappus hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Aus Sicht des Grünen-Obmann im EnBW-Untersuchungsausschuss des Landtags, Uli Sckerl, zeigt der komplette Rückzug von Notheis, dass die Bank ihren Deutschlandchef als verantwortlich für die Fehler im EnBW-Deal ansehe. „Insbesondere das verheerende Bild eines Bankers, der einen Politiker dirigiert, schadet dem Image der Bank.“

SPD-Obmann Andreas Stoch nannte die Entscheidung überfällig. Er glaube aber weniger, dass Notheis’ Schritt aus eigener Einsicht resultiere – sondern eher aus der Überzeugung der Bank, dass der Deutschlandchef nicht mehr haltbar sei.

Im Zuge des EnBW-Deals hatte bereits Mappus seinen Job beim Darmstädter Pharmakonzern Merck freiwillig aufgegeben – um sich auf seine Verteidigung konzentrieren zu können, wie er formulierte.

Notheis, früherer Landeschef der Jungen Union in Baden-Württemberg und langjähriger Freund und Weggefährte von Mappus, hatte im Jahr 2009 den Vorsitz von Morgen Stanley übernommen, dem deutschen Arm einer der weltweit führenden Investmentbanken.

( (dpa/abendblatt.de) )