Wulff: "Religion gibt keine Lizenz zum Töten"

Kanzlerin Merkel mahnt bei Gedenkfeier zu Wachsamkeit in Deutschland

Berlin/München. Zum 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September in den USA hat Bundespräsident Christian Wulff jedwede Gewalt und ihre Rechtfertigung durch Religion verurteilt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zur Wachsamkeit auf. Der Terrorismus sei weiter eine "sehr reale Bedrohung" auch für Deutschland, sagte sie im "Tagesspiegel am Sonntag".

Bundespräsident Wulff nannte den Anschlag vor zehn Jahren einen "Angriff auf uns alle". Er sagte gestern zum Auftakt eines internationalen Friedenstreffens in München: "Für Judentum, für Christentum und für den Islam gilt: Religion gibt keine Lizenz zum Töten, Religion ist ein Weg, das Leben dankbar anzunehmen, das Leben gottgefällig und menschenwürdig zu gestalten." Der entscheidende Weg zum Frieden sei, eine Allianz der Kulturen und Weltreligionen zu schmieden.

Wulff hatte zuvor an Gedenkfeiern in München und Berlin teilgenommen. Auf dem Marstallplatz in München bezeichnete Kardinal Reinhard Marx die Zeit seit dem 11. September 2001 als verlorenes Jahrzehnt: "Wir haben uns allzu sehr in Kriegsszenarien und Kampfesrhetorik bewegt." An einem Gedenkgottesdienst in der American Church in Berlin nahmen am Vormittag auf Einladung des US-Botschafters Philip D. Murphy neben Wulff auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) teil. Im Gottesdienst, der von christlichen, jüdischen und muslimischen Geistlichen gestaltet wurde, gedachten sie mit einer Schweigeminute der Terroropfer.

Wulff erklärte auf seiner Internetseite: "Wir werden uns dem Terrorismus nicht beugen, wir stehen auf gegen Terrorismus und werden nicht hinnehmen, dass Menschen heimtückischen Anschlägen zum Opfer fallen." Innenminister Friedrich sprach von einem "Geist der Zusammengehörigkeit", der überall auf der Welt deutlich werde. Zu möglichen Terrorakten in Deutschland sagte er: "Es gibt keinen Grund zur Ängstlichkeit, es gibt immer Grund zur Wachsamkeit." Westerwelle bezeichnete die Terrorangriffe als einen "Angriff gegen die Würde des Menschen und alle, die in Freiheit leben wollen".