Stuttgart-21-Gegner kehren an runden Tisch zurück

Stuttgart. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hat sich neu entschieden und nimmt nun doch an der Präsentation des Stresstests für den umstrittenen Tiefbahnhof teil. Wie der Schlichter Heiner Geißler mitteilte, sei die Bedingung der Projektgegner gewesen, das für heute geplante Treffen nach hinten zu verlegen. "Deshalb verschieben wir das auf Freitag", sagte Geißler. Mit der Bahn sei das abgesprochen.

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Brigitte Dahlbender, begründete die Rückkehr an den runden Tisch mit einer überwältigenden Zahl von Zuschriften von Stuttgart-21-Gegnern. Viele hätten die Sorge geäußert, dass ansonsten nur die Bahn ihre Sicht der Dinge darstellen könne, sagte Dahlbender. Das Bündnis habe diese Menschen nicht enttäuschen wollen. Dahlbender wörtlich: "Es ist keine Schande, wenn man sich von diesen zahlreichen Voten umstimmen lässt."

Die Bahn kommentierte die Rückkehr der Gegner an den Tisch zurückhaltend: "Die Bahn hat entschieden, den Weg der Schlichtung mit Heiner Geißler zu Ende zu gehen", sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich. Da der Schlichter den Wunsch gehabt habe, den Termin um drei Tage nach hinten zu verschieben, sei man darauf eingegangen. Das ändere aber nichts daran, dass die Bahn die Auftragsvergabe für zwei Tunnel diese Woche abschließe. "Das Ergebnis des Stresstests steht fest. Da wird auch die Diskussion nichts mehr daran ändern", sagte Dietrich. Eigentlich wollte das Aktionsbündnis die Vorstellung des Gutachtens zum Stresstest boykottieren.

Geißler zeigte sich erfreut darüber. Sein Hauptziel bei der Schlichtung sei immer totale Transparenz gewesen. "Diese wäre nicht mehr gegeben gewesen, wenn eine Seite nicht dabei gewesen wäre."

Derweil wächst in der baden-württembergischen Landeshauptstadt die Zustimmung zu dem Projekt. In einer gestern vorgestellten Umfrage erklärten 43 Prozent, eine "sehr gute" oder "gute" Meinung vom Gesamtprojekt zu haben - 34 Prozent äußerten eine "schlechte" oder "sehr schlechte" Meinung. Besonders positiv äußerten sich Männer und junge Leute bis 34 Jahre. Kritischer waren Frauen und Befragte zwischen 45 und 64 Jahren. Damit hat sich das Meinungsbild in der von der Stadt alle zwei Jahre durchgeführten Umfrage seit der Erhebung 2009 gedreht: Damals äußerten sich 29 Prozent positiv und 47 Prozent negativ. "Die Bürger haben sich informiert und haben sich offenbar überzeugen lassen", sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) bei der Vorstellung der Ergebnisse.