Carstensen will Bundeswehr- Standorte im Norden erhalten

Ministeräußerungen haben Debatte neu entfacht

Kiel/Schwerin. Äußerungen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) über einen möglicherweise besonders starken Truppenabbau in Norddeutschland haben die Standortdebatte in der Region neu entfacht. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen beharrte gestern auf einer angemessenen Präsenz aller Teilstreitkräfte im Norden auch nach der anstehenden Bundeswehr-Reform. "Ein richtiger Mix ist schon ein Wert an sich", sagte der CDU-Politiker.

Das Gewicht der Landesverteidigung sei im Land besonders hoch, auch im Hinblick auf den Katastrophenschutz. Schleswig-Holstein habe die Bundeswehr immer gern beherbergt. "Und die Bundeswehr sollte dort sein, wo sie willkommen ist. Übrigens hat es sich auch bewährt, die Marine dort zu haben, wo Wasser ist."

Der FDP-Landesvorsitzende Jürgen Koppelin sagte: "Wichtiger als die Schließung von Standorten in Norddeutschland ist die dringende Verkleinerung des Verteidigungsministeriums und damit verbunden auch der Umzug des Ministeriums von Bonn nach Berlin." Ebenso notwendig sei eine Verkleinerung vieler aus der Bundeswehr ausgelagerter Dienste. Ähnlich wie Koppelin hatten bereits Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und der schleswig-holsteinische CDU-Vorsitzende Christian von Boetticher eine höhere Stationierungsdichte im Norden auch in Zukunft als geboten bezeichnet.

Im Oktober sollen die Entscheidungen über die künftigen Bundeswehrstandorte fallen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte im "Abendblatt" angekündigt, dass im Zuge der Verkleinerung der Bundeswehr auf die Länder mit den meisten Dienstposten pro Einwohner größere Einschnitte zukommen werden als auf jene, in denen weniger Bundeswehr angesiedelt ist. Schleswig-Holstein ist das Land mit den meisten Soldaten bezogen auf die Einwohnerzahl.