Enoch zu Guttenberg: Plagiatsaffäre "ein Tsunami"

Berlin. Der Dirigent Enoch zu Guttenberg hat die Plagiatsvorwürfe gegen seinen Sohn Karl-Theodor und dessen Rücktritt als Verteidigungsminister als die "schlimmsten Momente" seines Lebens bezeichnet. "Das war ein Tsunami für die Familie zu Guttenberg", sagte Enoch zu Guttenberg in einem Interview des Magazins "Cicero". "Kein Mensch, der es nicht selber erlebt hat, kann sich vorstellen, wie das ist, zuschauen zu müssen, wie der eigene Sohn öffentlich zerschlagen wird." Zum ersten Mal seit der Plagiatsaffäre seines Sohnes Karl-Theodor sprach der Vater über die Zeit, die noch nicht völlig überwunden sei: "Wir sammeln immer noch die Trümmer auf."

Zugleich äußert sich der Dirigent selbstkritisch zu dem Druck, der seit Generationen auf seiner Familie laste. "Vielleicht ist das tatsächlich ein enormer Leistungsdruck, unter dem wir da alle stehen", gibt er zu Bedenken. "Für mich war dieses Erbe immer mehr Last als Lust, aber ich kenne es nicht anders und habe es auch so weitergegeben." Schon vor vielen Jahren sei er allerdings von Freunden gewarnt worden, "nimm diesen Druck für die Buben raus".

Enoch zu Guttenberg zweifelt bis heute nicht an der Aufrichtigkeit seines Sohnes: "Ich kann nicht in den Kopf meines Sohnes schauen, aber ich denke, in sein Herz", heißt es in dem Interview. "Mir als Vater hat er jedenfalls nie Grund gegeben, an seiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln." Den Medien wirft zu Guttenberg im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre um seinen Sohn eine "Treibjagd" und eine "öffentliche Hinrichtung" vor. Über seine ganze Familie seien "falsche oder halbwahre Geschichten" kolportiert worden.