81 Prozent der Deutschen für mehr Mitsprache

Bürger wollen stärkere Beteiligung, statt nur Kreuze auf Wahlzettel zu setzen

Gütersloh. Alle paar Jahre zur Wahlurne zu gehen ist den Deutschen nicht mehr genug: 81 Prozent wünschen sich größere Beteiligungsmöglichkeiten und mehr Mitsprache bei politischen Entscheidungen, hat eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh ergeben. 60 Prozent der 1000 Befragten sind demnach bereit, sich auch bei Bürgerbegehren, Diskussionsforen oder Anhörungen aktiv in Entscheidungen einzubringen, teilte die Stiftung mit.

Paradox: schrumpfende Wahlbeteiligung und Mitgliederzahl der Parteien auf der einen Seite, wachsende Bürgerbewegungen auf der anderen Seite. Der Wunsch nach größerer Beteiligung wächst mit zunehmender Lebenserfahrung, heißt es in der Umfrage. Unter den Jüngeren fordern 74 Prozent mehr Mitsprache, bei den 50- bis 64-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Auch unter den Nichtwählern spricht sich eine überwältigende Mehrheit (89 Prozent) für mehr Bürgerbeteiligung aus. Bei den Anhängern politischer Parteien führen die Grünen mit 75 Prozent vor den SPD-Anhängern (62 Prozent) und den CDU-Sympathisanten (53 Prozent).

Die Bundesbürger verbinden mit mehr Beteiligungsrechten auch große Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. 85 Prozent sagen, politische Entscheidungen hätten dann eine höhere Akzeptanz. 80 Prozent glauben, die Entscheidungen wären demokratischer. 78 Prozent meinen, dass es weniger Politikverdrossenheit gäbe, und 76 Prozent denken, dass Deutschland gerechter würde.

Der Stiftungsvorsitzende Gunter Thielen forderte als Konsequenz aus den Antworten, mehr Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen und die repräsentative Demokratie durch neue Formen der Mitsprache zu ergänzen. Auf diesem Weg könnten viele Enttäuschte wieder interessiert und für politische Teilhabe mobilisiert werden.