Katholische Kirche

Kardinal: Kirche in Deutschland soll wieder missionieren

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Kardinal Marx fordert, dass die katholische Kirche den christlichen Glauben wieder aktiv verbreitet und kirchenferne Menschen bekehrt.

München. Die katholische Kirche in Deutschland sollte nach Ansicht des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, den christlichen Glauben wieder aktiv verbreiten und kirchenferne Menschen bekehren. „Die Neuevangelisierung ist unser Auftrag für die kommende Zeit“, sagte Marx bei seiner traditionellen Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom.

Die Kirche wolle keine Gesellschaft, in der das Wort Christus überhaupt nicht mehr auftauche, sagte der Kardinal. „Wir träumen nicht von alten Zeiten, wir wollen in dieser Gesellschaft wirken.“ Er spüre bei vielen Menschen eine tiefe Verunsicherung – nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft. Dies zeige sich auch in den vielen Kirchenaustritten, „die mich als Bischof beunruhigen“, sagte er.

Marx nannte das abgelaufenen Jahr 2010 ein schweres Jahr für die Kirche in Deutschland. „Wir werden uns auch in Zukunft mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs befassen müssen. Wir werden der Wahrheit ins Auge schauen, aber wir dürfen nicht zulassen, dass es so etwas gibt wie einen Generalverdacht“, sagte der Kardinal. Die katholische Kirche müsse ihre Hausaufgaben machen. „Aber die ganze Gesellschaft muss ihren Weg gehen, aufmerksam sein dafür, was Kinder und Jugendliche erleben und erleiden.“

Papst: Solidarität mit Menschen in Not

In seiner Vesper zum Jahresende hat Papst Benedikt XVI. an Silvester zu Solidarität mit allen Menschen in Not aufgerufen. Die heutige Zeit sei voller Leiden und Dramen – „provoziert teils durch menschliche Bosheit, teils durch unselige Naturereignisse“, sagte der Papst. „Dennoch umfasst sie auch definitiv und unveränderlich die freudige und befreiende Botschaft von Christus“, richtete sich Benedikt vor allem an all diejenigen, „die die Festtage zwischen Unannehmlichkeiten und Leiden“ verbringen müssten.

Bei der Vesper wurde – wie jedes Jahr am Silvesterabend – das „Te Deum“ als Dank für das zu Ende gehende Jahr gesungen. Dabei handelt es sich um einen feierlichen traditionellen Lob-, Dank- und Bittgesang (vom lateinischen Te Deum laudamus – Dich Gott loben wir).

Am Neujahrsmorgen steht für Benedikt die traditionelle Neujahrsmesse auf dem Programm. Ausschlafen darf der Pontifex daher nicht: Um zehn Uhr wird er im Petersdom den Gottesdienst feiern, der traditionell ganz im Zeichen des katholischen Weltfriedenstages steht.

Benedikt XVI. hatte bereits Mitte Dezember eine Botschaft mit dem Titel „Religiöse Freiheit, der Weg zum Frieden“ veröffentlicht, in der er eindringlich zur Religionsfreiheit weltweit aufforderte. Religiöse Freiheit sei ein Weg zum Frieden, und Angriffe darauf beleidigten Gott und auch die Menschenwürde. Das Bekenntnis einer Religion dürfe weder „instrumentalisiert noch mit Gewalt aufgezwungen werden“, erklärte der Papst. Im Rückblick auf ein von Gewalt geprägtes 2010 appellierte er erneut an die Verantwortlichen, rasch zu handeln und jeden Übergriff auf Christen in den betroffenen Regionen zu unterbinden.

Die Kirche feiert den Weltfriedenstag seit 42 Jahren am ersten Januar. Papst Paul VI. hatte sich 1967 mit einer Friedensbotschaft an die Regierenden in aller Welt gewandt und darin den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärt. (dapd/dpa)