Verbände warnen vor Notstand bei Pflege von Senioren

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis zum Jahr 2050 auf 4,5 Millionen verdoppeln

Berlin. Zwei große Pflegeverbände haben vor einem Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) auf die dramatische Lage in der Seniorenbetreuung verwiesen. "Wenn die Politik jetzt nicht energisch handelt, droht ein Pflegenotstand, der viele Jahre nicht mehr zu beheben ist", sagte der Chef des Arbeitgeberverbands Pflege, Thomas Greiner. Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, betonte: "Pflege mit Fachkräften wird ohne einschneidende Maßnahmen zum Luxusgut. Das Leid wird bei den Familien abgeladen."

Das Treffen mit dem Minister ist diesen Dienstag geplant. Die Verbände vertreten Hunderttausende Beschäftigte, in ihren Einrichtungen werden 600 000 Menschen gepflegt.

"Die Politik denkt, wir beschreiben ein Szenario in fünf Jahren, aber wir stecken schon mittendrin", betonte Meurer. "Die gesetzlich geforderte Quote von 50 Prozent Fachkräften kann in vielen Einrichtungen nicht mehr eingehalten werden. Wenn jetzt 30 000 oder 40 000 Pflegekräfte auf den Markt kämen, würden die sofort aufgesogen wie von einem Schwamm." Laut Greiner gibt es in 93 Prozent der Arbeitsagenturen Besetzungsprobleme in der Altenpflege. Bundesweit seien bei rund 900 000 Beschäftigten in dem Bereich nur 3400 Arbeitslose gemeldet. "Die Arbeitsagenturen können uns nicht mehr helfen."

Hauptforderung der Verbände ist, dass künftig nur noch eine Koordinierungsstelle alle Pflegefragen klärt. "Der Gesundheitsminister muss auch Pflegeminister werden", verlangte Greiner. "So wie jetzt geht es nicht weiter. Wir kämpfen gegen ein Bürokratie-Monster." So gebe es bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen ausländischer Fachkräfte in jedem Bundesland andere Regeln. Nach einer Prognose des Statistischen Bundesamts wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2050 auf rund 4,5 Millionen verdoppeln. Die Verbände gehen davon aus, dass die Branche in den nächsten zehn Jahren rund 300 000 Fach- und Hilfskräfte zusätzlich benötigt.