Steinbrück kritisiert Umgang der SPD mit Sarrazin

Berlin. Der frühere SPD-Vize Peer Steinbrück hat den Umgang seiner Partei mit Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin kritisiert. "Ich bin gegen einen Parteiausschluss. Die SPD vermittelt dadurch dem breiten Publikum den falschen Eindruck, sie wolle die Debatte loswerden", sagte Steinbrück der "Bild"-Zeitung. Das Echo auf Sarrazins Buch zeige aber, dass auch viele in der SPD "über Zuwanderung und vermurkste Integration" reden wollten.

Der frühere Bundesfinanzminister fügte hinzu: "Abgesehen von den letzten Kapiteln kann man weiten Teilen von Sarrazins Analyse kaum widersprechen." Die Reaktionen auf das Buch gehen nach Ansicht Steinbrücks darauf zurück, dass sich viele Menschen in ihren Alltagserfahrungen mit konkreten Integrationsproblemen wiedererkennen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht dagegen keinen Grund, das eingeleitete Parteiausschlussverfahren zu stoppen, auch wenn Sarrazin einige umstrittene Thesen zu Migration und Genetik in der Neuauflage seines Buchs weniger scharf formuliert hat. Das Verfahren sei allein Sache der SPD-Schiedskommission, betonte Gabriel gestern. "Nur die Tatsache, dass er jetzt sein Buch ändert, kann aber mich nicht zum zweiten Mal veranlassen, es zu kaufen", sagte er.

Sarrazin war in der vergangenen Woche der SPD-Ausschlussantrag zugeschickt worden. Dem früheren Berliner Finanzsenator bleiben nun sechs Wochen Zeit für eine Stellungnahme. Das ganze Verfahren dürfte sich auch deshalb hinauszögern, weil SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die für die SPD als Verfahrensbevollmächtigte auftritt, demnächst ein Kind bekommt und für einige Wochen ausfällt.