Die Wulffs als Pilger im christlichen Niemandsland

Tarsus. Nur einige Dutzend Christen waren nach Tarsus, in den Geburtsort des Völkerapostels Paulus, zum ökumenischen Gottesdienst der christlichen Kirchen gekommen. Bundespräsident Christian Wulff hatte dieses Zeichen für die Religionsfreiheit in der vom Islam geprägten Türkei im Rahmen seines Staatsbesuchs so gewollt. Die Geistlichen der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen waren zumeist aus Istanbul angereist. In dem Ort, der einst eine Wiege des Christentums war, gibt es schon lange keine christliche Gemeinde mehr. Die Zeremonie in dem kleinem Gotteshaus im Süden der Türkei, das sonst Museum ist, war dennoch eindrucksvoll. Gesungene Gebete in Armenisch und Griechisch - Fürbitten für die Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie: Ein seltenes Bild von religiöser Eintracht in dem Land, das sich mit freier Religionsausübung besonders schwertut. "Die Anerkennung der Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht - für die Christen in der Türkei wie für die Muslime in Deutschland" -, griff Pfarrer Holger Nollmann das Anliegen des Bundespräsidenten auf. Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Gotteshaus war 1943 konfisziert und von der Armee als Lagerhaus genutzt worden. Später wurde es Museum.