Straßburger Urteil stärkt Rechte von Kirchenmitarbeitern

Straßburg. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Selbstverwaltung der katholischen Kirche in Deutschland eingeschränkt. Nach einem Urteil verstößt die Entlassung eines Essener Organisten wegen Ehebruchs gegen die Achtung der Privatsphäre. In einem anderen Fall wiesen die Straßburger Richter die Beschwerde eines leitenden Pressemitarbeiters der deutschen Mormonenkirche wegen außerehelicher Beziehungen zurück: Diese Kündigung ist rechtens.

Der heute 53-jährige Organist hatte sich 1994 von seiner Ehefrau getrennt und lebte mit einer anderen Frau zusammen, die ein Kind von ihm erwartet. Als dies durch die Plauderei seines anderen Kindes bekannt wurde, reagierte die katholische Kirche 1998 mit der Entlassung. Der 51 Jahre alte Mormone hatte nach 13-jähriger Ehe seinem kirchlichen Vorgesetzten Seitensprünge gestanden und vergeblich um seelsorgerische Unterstützung gebeten.

Laut Urteil haben die Kirchen in Deutschland durchaus das Recht, ihre Mitarbeiter aus sittlich-moralischen Gründen zu entlassen. Doch dabei muss die Position des Mitarbeiters innerhalb der Kirche geprüft und die Rechte beider Parteien sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Im Fall des Organisten haben die Gerichte in Deutschland nach Ansicht des EGMR "einseitig die Position der Kirche" berücksichtigt. Die Urteile des Gerichtshofs sind für Deutschland bindend.

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