Bischöfe lehnen neuen Zivildienst ab

Katholische Kirche und Caritas befürchten übermächtige Konkurrenz für freiwilliges Soziales Jahr

Fulda. Die sich abzeichnende Einführung eines bundesweit freiwilligen Zivildienstes stößt bei der katholischen Kirche und dem Caritasverband auf wenig Gegenliebe. Die Hilfsorganisation warnte die Bundesregierung vor einem Hauruck-Verfahren. Die Planungen liefen unter zu großem Zeitdruck, so könnten keine optimalen Rahmenbedingungen geschaffen werden, es gleiche einer Bypass-Operation, kritisierte Verbandspräsident Peter Neher gestern in Fulda bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Das Gremium sprach sich gegen die Abschaffung des bisher laufenden Zivildienstes aus. Neher räumte aber ein: "Mit dem Wegfall des Zivildienstes in seiner bisherigen Form bricht das soziale System nicht zusammen."

Der Zivildienst steht vor dem Aus, weil Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Reform mit einer Berufsarmee plant und die Wehrpflicht aussetzen will. Daran gekoppelt ist auch der Zivildienst. Er soll dann wie der Wehrdienst durch einen freiwilligen Zivildienst mit vermutlich rund 35 000 Plätzen ersetzt werden. Der Zivildienst wurde vor Kurzem bereits von neun auf sechs Monate verkürzt. Freiwillig können Zivis ihn um bis zu sechs Monate verlängern. 2009 leisteten 90 555 Kriegsdienstverweigerer Zivildienst, die meisten im sozialen Bereich.

Die Aussetzung des Wehrdienstes bedeutet für die Caritas den Wegfall von 18 000 Stellen. Der freiwillige Zivildienst läge weiter in der Obhut des Bundes. Kirche und Caritasverband befürchten nun, dass er dem auf Länderebene organisierten Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) übermächtige Konkurrenz machen könnte, wenn nicht wichtige Rahmenbedingungen wie etwa die Entlohnung gleich seien. Es dürfe bei der Konzeption nicht um verfassungsrechtliche Erwägungen gehen, es müsse eine politische Debatte geführt werden, sagte Neher. Der Bund der deutschen katholischen Jugend würde eine Zusammenlegung von Zivildienst und FSJ begrüßen. "Aber da stehen wir vor einer Mauer, weil es verfassungsrechtliche Bedenken gibt", sagte Bundespräses Simon Rapp.

Bei ihrem Treffen in Fulda sollten sich die Bischöfe auch der Frage der sexuellen Enthaltsamkeit von Priestern widmen, forderte unterdessen die Reformbewegung "Wir sind Kirche". Dies sei schon allein wegen des Priestermangels erforderlich. Die Gemeinden würden immer größer, und immer weniger Geistliche stünden zur Verfügung. Die Bischofskonferenz verurteilte derweil die Verfolgung von Christen im Ausland. "Auch in unseren Tagen ist es an vielen Orten gefährlich und mit einem hohen Preis verbunden, sich zum Christentum und seinen Werten zu bekennen", sagte Erzbischof Ludwig Schick als Vorsitzender der Kommission Weltkirche.