Westerwelle meidet auf dem Balkan das Thema FDP

Außenminister besucht vier Länder in 56 Stunden - und wehrt innenpolitische Fragen ab

Pristina. Die Frage kennt Guido Westerwelle inzwischen. Und so fällt auch die Antwort stets ziemlich ähnlich aus. Auf dem Marktplatz in Zagreb: "Es wäre absolut unhöflich und ungewöhnlich, sich hier zur Innenpolitik zu äußern." Oder am Taubenbrunnen von Sarajevo: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich aus Respekt vor den Gastgebern zur deutschen Innenpolitik nichts sagen will."

Zweieinhalb Tage war Westerwelle auf dem Balkan unterwegs. Und immer wieder musste er sich damit auseinandersetzen, dass seine Doppelfunktion als Außenminister und FDP-Chef auch von den eigenen Leuten infrage gestellt wird. Dabei hatte sich der Vizekanzler für die erste Auslandstour nach dem Mallorca-Urlaub einiges vorgenommen: vier Länder in 56 Stunden. Macht 14 Stunden pro Land - selbst für die Reiseprofis aus dem Auswärtigen Amt ist das ein strammes Programm.

Die Hin-und-Weg-Diplomatie war natürlich durch die komplizierten Verhältnisse bedingt auf dem Balkan geschuldet. Man kann sich auf solchen Reisen die Tage aber auch mit Terminen zupflastern, um zu zeigen, wie ernst es einem mit der Außenpolitik ist.

Fast ein Jahr nach dem 14,6-Prozent-Erfolg bei der Bundestagswahl herrscht auch bei vielen FDP-Mitgliedern die Meinung vor, dass Westerwelle im Auswärtigen Amt noch immer nicht richtig angekommen sei. Umfragewerte um die fünf Prozent und die für einen Außenminister ungewöhnlich schlechten Beliebtheitswerte lassen die Parteibasis grummeln. Pünktlich zur Balkan-Reise forderte der saarländische FDP-Generalsekretär Rüdiger Linsler sogar öffentlich, dass Westerwelle sich künftig auf das Außenamt beschränkt - zu einem Moment, als sich der FDP-Chef nicht richtig wehren konnte. Äußerungen zur Innenpolitik sind auf Auslandsreisen normalerweise tabu.

Und Westerwelle hatte genügend diplomatische Arbeit zu leisten: Beim Versuch, die serbische Führung dazu zu bringen, die Unabhängigkeit ihrer Ex-Provinz Kosovo anzuerkennen, holte er sich die erwartete Abfuhr. Aber auch in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo war nicht zu erkennen, dass viel vorangeht. Als Lichtblick gab es einen Besuch beim deutschen Kfor-Kontingent. Trotz der vielen Schwierigkeiten machte Westerwelle aber auf der gesamten Reise deutlich, dass neben dem EU-Mitglied Slowenien und dem vermutlich Bald-Mitglied Kroatien auch die anderen Balkanstaaten eine Chance auf die EU-Mitgliedschaft behalten.

Alles in allem, so viel war am Ende klar, wird die Diplomatie auf dem Balkan ein sehr mühsames Geschäft bleiben. Aber einfach hat es Guido Westerwelle ja auch zu Hause nicht.