CSU fordert konservativen Kurs von CDU

München/Berlin. In der CSU ist angesichts des Umfragedebakels der Union offener Ärger über die CDU und Kanzlerin Angela Merkel ausgebrochen. Parteichef Horst Seehofer und andere CSU-Spitzenpolitiker forderten gestern ein klar erkennbares konservatives Profil der Union. "Wir werden auf das Bürgerliche und Konservative sehr stark Wert legen", sagte Seehofer nach der letzten CSU-Vorstandssitzung vor den Sommerferien. Er forderte eine bessere Abstimmung und ein Ende der vielstimmigen Dauerdebatten. "In diese Koalition in Berlin muss Konstanz." Einen Linksschwenk lehnte Seehofer mit den Worten ab: "Wir lassen uns von dem Virus nicht anstecken."

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warnte: "Ohne konservative Stammwähler kann die Union Wahlen nicht gewinnen." Seehofer verwies auf die Umfragewerte unter 30 Prozent mit dem Hinweis: "Noch Fragen?" Eine solche Entwicklung sei "nicht mit Spaß und Leichtigkeit zu bewältigen". Direkte Kritik an Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel übte kein CSU-Spitzenpolitiker. Mehrere führende Christsoziale sprachen von einer "Gesamtaufgabe" und bezogen die Kanzlerin mit ein.

Die Unionsfraktion hält die Kritik für übertrieben. "Nur die CDU/CSU ist im deutschen Parteienspektrum eine konservative Partei. Das weiß jeder", sagte Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU). Er verteidigte Merkels Modernisierungskurs. Der CDU/CSU-Wirtschaftsflügel hatte dagegen den Kurs der Kanzlerin immer wieder attackiert.