Aids-Pandemie

Evangelische Kirchen räumen Mitschuld an Aids-Ausbreitung ein

| Lesedauer: 2 Minuten

Die Kirchen müssten mehr über HIV-Prävention aufklären und sich verstärkt um die Betreuung von Aidskranken kümmern.

Stuttgart. Die evangelisch-lutherischen Kirchen haben eine Mitschuld für die weltweite Ausbreitung der Aids-Pandemie eingestanden. „Das Schweigen oder die Empfehlungen schlecht beratener Kirchen haben zur fortgesetzten Ausbreitung der Pandemie geführt“, heißt es in der Abschlussbotschaft der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB).

Die rund 400 Delegierten aus 79 Ländern verabschiedeten das siebenseitige Dokument am Dienstag in Stuttgart. Die Kirche sei „sowohl Teil des Problems als auch Teil der Lösung“, erklärten die Vertreter von 70 Millionen Protestanten nach ihrem einwöchigen Treffen. Die Kirchen müssten mehr über HIV-Prävention aufklären und sich verstärkt um die Betreuung von Aidskranken kümmern.

Frauen zum Pfarramt zuzulassen, ist eine weitere Forderung in der Resolution an die Mitgliedskirchen: „Wir glauben, dass die Kirche nur eine legitime und glaubwürdige Stimme für Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft sein kann, wenn sie diese zuerst auch innerhalb der eigenen Strukturen und Praktiken erreicht hat.“ In früheren Jahren hatte sich an diesem Thema immer wieder Streit im LWB entzündet.

Auch die Ursachen und Folgen der Finanzkrise sind Thema des Abschlusspapiers: Der immense Reichtum einiger weniger sei bedenklich. Habgier sei eine Sünde, der Gläubige entgegentreten müssten. „Sie verstärkt die Ungerechtigkeiten zwischen Reich und Arm, zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern.“ Christen müssten Buße tun für ihre „Komplizenschaft in dieser an Habgier orientierten Kultur“.

WER AIDS HAT, KANN LANGE LEBEN

Beim Abschlussgottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche wurde der palästinensische Bischof Munib Junan als neuer LWB-Präsident eingeführt. Der 59-Jährige war am Samstag zum Nachfolger des US- Bischofs Mark Hanson gewählt worden.

Der gastgebende Landesbischof der württembergischenLandeskirche, Frank Otfried July, forderte eine bessere Zusammenarbeit mit den Kirchen in anderenTeilen der Welt: „Wir dürfen nicht nur auf uns schauen, wir sind ein Teil des weltweiten Netzwerkes.“ So könnten die Gläubigen beimKampf gegen Armut oder Umweltzerstörung an einem Strang ziehen.

( (dpa/abendblatt.de) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Deutschland