Neue Runde im Streit um Kruzifixe in Klassenzimmern

Straßburg/Bonn. Der Streit um Kruzifixe in Schulen ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in eine neue Runde gegangen. Die 17 Richter der großen Kammer des EGMR haben sich in Straßburg mit der Beschwerde einer italienischen Mutter beschäftigt, die in erster Instanz erfolgreich gegen Italien geklagt hatte. Kruzifixe in Schulen seien eine Verletzung der Religionsfreiheit, befand die Vorinstanz des EGMR damals. Ein Urteil der großen Kammer wird in einigen Monaten erwartet.

Bei der Anhörung wies die italienische Regierung jede Verletzung der Grundrechte entschieden zurück. Kreuze seien "Ausdruck der Tradition" und "volkstümliches Symbol", sagte der Vertreter der Regierung in Rom, Nicola Lettieri. Als Nebenparteien in dem Verfahren traten zur Verteidigung Italiens orthodoxe Staaten wie Griechenland auf, wo das Christentum Staatsreligion ist, ferner Bulgarien, Zypern, Rumänien und Russland.

Die Deutsche Bischofskonferenz forderte den Erhalt von Kreuzen in den Schulen. Für die Identität Europas insgesamt wie auch der europäischen Länder sei es von entscheidender Bedeutung, die eigenen Traditionen und Werte wahren und vermitteln zu können, erklärte der Vorsitzende Robert Zollitsch.