Salafisten-Prediger

Radikaler Islamist soll 100.000 Euro vom Staat kassiert haben

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abendblatt.de

Ibrahim Abou-Nagie gilt als einer der radikalsten Islam-Prediger Deutschlands. Er hetzt gegen westliche Werte - und lebt von Hartz IV.

Berlin/Hamburg. Der umstrittene Salafisten-Prediger Ibrahim Abou-Nagie bezieht seit Jahren staatliche Leistungen. „Ich bekomme 1860 Euro pro Monat“, sagte der dreifache Familienvater und frühere Geschäftsmann der „Bild“-Zeitung. Bei fünf Jahren staatlicher Unterstützung wären das bereits 100.000 Euro. Der 47-Jährige bestätigte mit seiner Aussage einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“. Die Zeitung hatte die monatlichen Hartz-IV- und Kindergeld-Leistungen allerdings auf 2300 bis 2500 Euro beziffert.

Abou Nagie gilt bei Experten als Hassprediger. Der gebürtige Palästinenser ist nach eigenen Angaben Initiator der umstrittenen Verteilung kostenloser Koran-Ausgaben in Deutschland. Sicherheitsexperten bewerten die Aktion als Propagandamaßnahme, um neue Anhänger zu werben. Abou Nagie ist seit Jahren im Visier des Verfassungsschutzes.

Seit fünf Jahren lebe Abou-Nagie laut "Bild" von staatlicher Stütze. Polizei- und Innenexperten wollen dem Extremisten die Hilfe entziehen. "Keine Staats-Knete für Hass-Prediger. Es kann nicht sein, dass wir Geld für die Beobachtung und den Lebensunterhalt von Ibrahim Abou-Nagie ausgeben", wird Rainer Wendt, Chef der deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in der "Bild" zitiert.

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Die umstrittene Koran-Verteilaktion hat unterdessen auch Hamburg erreicht. Am Sonnabend verteilten Salafisten in der Spitalerstraße Gratis-Korane an die Hamburger Bevölkerung. Die Bücher lagerten in großen Umzugskisten. Viele Hamburger griffen zu und nahmen ein Buch mit. Ein Streifenwagen der Polizei bewachte die Aktion, die im Vorfeld bei der Innenbehörde angemeldet wurde. Die Verteilaktion verlief ohne große Störungen und Vorkomnisse, wie die Polizei mitteilte. Vier bis fünf Männer verteilten die Bücher.

Die umstrittene Aktion der radikalislamischen Salafisten sorgte schon seit mehreren Wochen für aufsehen. Am Donnerstag überschattete sie die inhaltlichen Debatten auf der Deutschen Islamkonferenz. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte am Donnerstag in Berlin, die Salafisten versuchten mit der Verteilung kostenloser Korane insbesondere junge Menschen zu gewinnen: „Insofern macht uns das Sorge.“ Die alljährliche Konferenz mit türkischen und muslimischen Verbänden machte sich aber nicht die Aufforderung einzelner CDU-Landesinnenminister zu eigen, sich als Konferenz von den Salafisten zu distanzieren.

Auch die Internetdebatte gewinnt an Schärfe: Nach dem Drohvideo gegen Journalisten, die kritisch über die radikalislamischen Salafisten berichtet haben, befürchten die Sicherheitsbehörden einem Zeitungsbericht zufolge eine neue Eskalation. Im Internet sei ein möglicherweise von Rechtsextremisten produziertes Video aufgetaucht, das sich gegen einen in Hessen lebenden Salafisten richte, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Indirekt werde darin zur Lynchjustiz aufgerufen. Gezeigt würden ein mit Blut beschmutztes Messer und der Wohnort des Islamisten – verbunden mit dem Hinweis, ihn „dort zu besuchen“.

Das hessische Landeskriminalamt bestätigte der „FAZ“, dass es Ermittlungen gebe. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Urheber des Videos aus rechtsradikalen Kreisen stammten. Geprüft wird dem Zeitungsbericht zufolge aber offenbar auch, ob das Video von Islamisten selbst zu Propagandazwecken gedreht worden sein könnte. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt bestätigte am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa den Eingang eines Videos. Es müsse aber noch genau untersucht werden.

Mit Material von dpa

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