Kritik an massiver Beitragserhöhung der Privatkassen

Berlin. Die Private Krankenversicherung (PKV) hat nach Meinung der Verbraucherzentralen angesichts teilweise dramatischer Beitragssteigerungen keine Überlebenschance. "Sie wird sich selbst abschaffen", sagte der Vorstand ihres Bundesverbands, Gerd Billen, gestern in Berlin. Es gebe eine "eklatante Zahl von Fällen, wo es Beitragssteigerungen von bis zu 30 Prozent von einem Jahr aufs andere gegeben hat".

In den vergangenen drei Monaten hatten die Verbraucherzentralen mehr als 140 Beschwerden von privat Versicherten ausgewertet. "Unsere Befürchtungen wurden weit übertroffen", bilanzierte der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Michael Wortberg.

In den überprüften Fällen stiegen die Versicherungsprämien zum Jahreswechsel im Schnitt um 23,9 Prozent. Besonders betroffen waren langjährige Bestandskunden und ältere Versicherte. Insbesondere ältere PKV-Kunden seien wegen riskanter Tarifberechnungen zugunsten von Jungkunden vor Tarifsprüngen nicht geschützt. Eine 59-Jährige habe einen Monatsbeitrag von 1095 Euro bezahlt. Bei einer anderen Privatversicherten seien 76 Prozent der Rente für die Prämie draufgegangen.

Billen forderte, den Wechsel innerhalb der PKV in günstigere Tarife zu vereinfachen und eine Pflicht zur Beitragsrückzahlung, falls zu riskantes Wirtschaften zu Beitragserhöhungen führe. Gegen übermäßig viele medizinische Untersuchungen bei Privatpatienten sei mehr Qualitätssicherung nötig.

PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach hielt den Verbraucherschützern mangelnde Seriosität vor: "Mehrere unabhängige Branchen-Analysedienste haben aktuell einen Beitragsanstieg in der PKV von durchschnittlich nur rund zwei Prozent festgestellt." Das Analysehaus Morgen & Morgen zeige, dass es für 45 Prozent der Tarife kein Beitragsplus gibt.

( (dpa) )